Ist Hochsensibilität vererbbar? Zehn Fakten über Hochsensibilität

Inhalt dieser Seite

„Von wem hat sie das?“ Diese Frage stellen mir Eltern hochsensibler Kinder fast immer in der ersten Stunde. Die Mutter schaut den Vater an, der Vater die Mutter, und meistens sagt dann einer von beiden: „Meine Mutter war auch so.“ Die Frage nach der Vererbung ist die häufigste Frage, die ich zur Hochsensibilität bekomme, und sie hat eine klare Antwort: Ja, die Forschung zeigt, dass Hochsensibilität vererbbar ist. Wie das genau funktioniert, warum hochsensible Kinder trotzdem Eltern haben können, die selbst nicht hochsensibel sind, und was sonst noch über Hochsensibilität gesichert ist, liest du in diesem Beitrag.

Ich habe die zehn Fakten zusammengestellt, die ich jedem Menschen mit auf den Weg gebe, der sich zum ersten Mal mit dem Thema Hochsensibilität beschäftigt. Wenn du wissen möchtest, ob du selbst hochsensibel bist, findest du bei mir einen Test auf Hochsensibilität für Erwachsene und einen Test für hochsensible Kinder. Ich lade dich ein, beim Lesen an deine eigene Familie zu denken. Schauen wir uns das der Reihe nach an.

Kurz gesagt: Ist Hochsensibilität vererbbar?

Hochsensibilität ist vererbbar: Zwillingsstudien zeigen, dass rund die Hälfte der Unterschiede in der Sensibilität zwischen Menschen genetisch bedingt ist, der Rest durch Umwelteinflüsse entsteht. Es gibt kein einzelnes „Hochsensibilitäts-Gen“; viele Genvarianten wirken zusammen, weshalb Hochsensibilität scheinbar Generationen überspringen kann und ein hochsensibles Kind auch Eltern haben kann, die selbst nicht hochsensibel sind. Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sind hochsensibel, Männer und Frauen gleich häufig, und dasselbe Muster findet sich bei über hundert Tierarten. Hochsensibilität ist keine Krankheit und keine psychische Störung. Sie ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das die US-amerikanische Psychologin Elaine N. Aron 1996 beschrieben hat.

Vererbbar oder angeboren? Was die Genetik zeigt

Vererbbar und angeboren sind hier dasselbe: Die Veranlagung ist von Geburt an da, und sie kommt aus den Genen. Elaine Aron hat das schon 1996 vermutet, weil Hochsensibilität in Familien gehäuft auftritt. Inzwischen ist es belegt. Forscher um Elham Assary und Michael Pluess haben 2021 mehr als 2.800 Zwillinge untersucht und dabei ausgerechnet, wie viel von der Sensibilität aus den Genen kommt: etwa die Hälfte. Die andere Hälfte kommt aus dem, was ein Mensch erlebt. Hochsensibilität ist also weder reines Schicksal der Gene noch reines Ergebnis der Erziehung. Beides wirkt zusammen, und genau das erlebe ich auch in meiner Arbeit: Zwei Geschwister mit derselben Veranlagung können als Erwachsene völlig unterschiedlich mit ihr umgehen, je nachdem, was sie als Kind erfahren haben.

Ein einzelnes Gen für Hochsensibilität gibt es dabei nicht. Es sind viele kleine Bausteine, die zusammenwirken. Einer davon bestimmt mit, wie laut das Nervensystem auf Reize antwortet (die Forschung nennt ihn Serotonin-Transporter-Gen), andere steuern, wie stark Aufmerksamkeit und Belohnung im Gehirn wirken (das Dopamin-System). Jeder Baustein trägt ein bisschen bei, keiner allein entscheidet. So ist es auch bei der Körpergröße oder beim Temperament. Deshalb wird Hochsensibilität in der Fachsprache als polygen bezeichnet, und deshalb ist sie keine Erbkrankheit, die nach einfachen Regeln weitergegeben wird.

Was da genau vererbt wird, hat Aron zusammen mit ihrem Mann Arthur Aron 1997 beschrieben: eine tiefere Verarbeitung von allem, was über die Sinne hereinkommt, verbunden mit stärkeren Gefühlen und einer schnelleren Überreizung. Eine hochsensible Person nimmt also mehr wahr, fühlt stärker und ist schneller voll. Der Fachbegriff dafür lautet Sensory Processing Sensitivity, auf Deutsch Sinnesverarbeitungssensibilität. Die Psychologin Corina Greven hat 2019 in einer großen Übersichtsarbeit einen zweiten Namen vorgeschlagen, Umweltsensibilität (Environmental Sensitivity), weil er den Kern trifft: Ein hochsensibler Mensch wird von seiner Umwelt stärker beeinflusst als andere, im Guten wie im Schlechten. Was im Gehirn dabei anders läuft, beschreibe ich im Beitrag über das hochsensible Gehirn.

Wer vererbt Hochsensibilität? Mutter, Vater oder beide?

Beide. Weil viele Gene beteiligt sind, bekommt ein Kind von Mutter und Vater jeweils einen Teil der Anlagen, und aus der Mischung entsteht seine Sensibilität. Deshalb gibt es alle Kombinationen, die ich in meiner Praxis auch sehe: zwei hochsensible Eltern mit einem hochsensiblen Kind, zwei hochsensible Eltern mit einem Kind, das die Welt völlig anders erlebt, und ein hochsensibles Kind, bei dem Mutter und Vater beide sagen: „Wir sind nicht so.“

Das erklärt auch, warum Hochsensibilität scheinbar Generationen überspringen kann. Die Genvarianten sind in der Familie weiter vorhanden, aber nicht in jeder Generation in der Kombination, die zur Hochsensibilität führt. Bei der Großmutter war sie da, bei der Mutter nicht, beim Kind wieder. Dazu kommt, dass viele Menschen der Großelterngeneration ihre Hochsensibilität nie benannt haben. „Meine Mutter war auch so“ heißt oft: Sie war genauso feinfühlig, hat es aber ihr Leben lang für eine Schwäche gehalten.

Wenn du selbst hochsensibel bist, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind es auch ist, deutlich höher als in der Gesamtbevölkerung. Sicher ist es nicht. Und wenn dein Kind hochsensibel ist und du nicht, bist du deshalb kein schlechterer Elternteil. Du kannst lernen, wie dein Kind die Welt wahrnimmt, und der Umgang mit einem hochsensiblen Kind ist erlernbar. Genau darum geht es in meinem Online-Kurs Das hochsensible Kind verstehen und im Coaching für Eltern hochsensibler Kinder.

Anlage und Umwelt: Was die Kindheit aus der Veranlagung macht

Die Gene liefern die Veranlagung. Wie sie sich zeigt, entscheidet die Umgebung mit, und zwar bei hochsensiblen Kindern stärker als bei anderen. Stell dir zwei Kinder mit derselben Veranlagung vor. Das eine wächst in einem Zuhause auf, in dem seine Wahrnehmung ernst genommen wird; es entwickelt sich oft sogar besser als Kinder ohne diese Veranlagung. Das andere hört ständig, es solle sich nicht so anstellen; es leidet mehr als andere Kinder unter denselben Bedingungen. Hochsensible Kinder werden von ihrer Umgebung in beide Richtungen stärker geformt. Die Entwicklungspsychologen Jay Belsky und Michael Pluess haben dafür 2009 den Begriff differenzielle Suszeptibilität geprägt, und Pluess nennt die gute Seite Vantage Sensitivity: die Fähigkeit, von guten Bedingungen besonders zu profitieren.

Das ist für Eltern die wichtigste Erkenntnis aus der Vererbungsforschung. Ob dein Kind die Hochsensibilität geerbt hat, kannst du nicht beeinflussen. Ob es sie als Stärke oder als Last erlebt, sehr wohl. Erfahrungen bestimmen sogar mit, welche Gene im Körper aktiv werden und welche stumm bleiben; die Forschung nennt das Epigenetik. Ein hochsensibles Kind, das früh lernt, dass seine Wahrnehmung in Ordnung ist, entwickelt ein anderes Nervensystem als eines, das sich dafür schämt. In meiner Arbeit mit Erwachsenen sehe ich beide Wege, und der zweite lässt sich auch später noch drehen. Wie sich eine belastende Kindheit im Erwachsenenalter auswirken kann, habe ich im Beitrag Wie hochsensible Kinder psychisch krank werden können beschrieben.

Schaubild „Ist Hochsensibilität vererbbar?“ mit fünf Feldern: Genetik und Biologie (47 Prozent, die Forschung zeigt, dass fast die Hälfte der Sensibilitätsunterschiede aus den Genen stammt), Verbreitung (etwa 15 bis 30 Prozent aller Menschen sind hochsensibel, Männer und Frauen gleichermaßen), Natur und Nerven (keine Krankheit, sondern ein angeborenes Merkmal des Nervensystems, das auch bei Tieren vorkommt), Vererbung (viele Gene wirken zusammen, das Merkmal kann Generationen überspringen) und Umfeld und Entfaltung (ein feinfühliges Umfeld macht die Veranlagung zur Stärke, Unverständnis zur Last).

Zehn Fakten über Hochsensibilität

Diese zehn Fakten stehen seit Jahren in diesem Beitrag. Ich habe sie hier um das ergänzt, was die Forschung inzwischen dazu sagt. Viele meiner Kunden haben über diese Liste zum ersten Mal ihre eigene Hochsensibilität erkannt.

1. Der Begriff Hochsensibilität stammt von Elaine N. Aron

1996 erschien das Buch „The Highly Sensitive Person“ der US-amerikanischen Psychologin Elaine N. Aron und prägte den Begriff Hochsensibilität. Aron hatte zuvor mit Interviews und Fragebögen ein Merkmal beschrieben, das bis dahin mit Schüchternheit oder Introversion verwechselt wurde. Ihre Highly Sensitive Person Scale mit 27 Fragen ist bis heute der meistgenutzte Fragebogen, um Hochsensibilität zu messen.

2. Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sind hochsensibel

Also ungefähr jeder Fünfte bis Sechste. Diese Zahl geht auf Aron zurück. Neuere Studien, die Menschen in drei Gruppen einteilen (niedrig, mittel und hoch sensibel), kommen auf rund 30 Prozent hochsensible Menschen. Hochsensibilität ist also keine Randerscheinung. In jeder Schulklasse und in jedem Team sitzen mehrere Hochsensible.

3. Hochsensibilität ist vererbbar und kann Generationen überspringen

Etwa die Hälfte der Unterschiede in der Sensibilität ist genetisch bedingt, und weil viele Gene beteiligt sind, kann die Hochsensibilität in einer Generation fehlen und in der nächsten wieder auftreten.

4. Männer und Frauen sind gleich häufig hochsensibel

Aron fand in ihren Untersuchungen keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Dass in Beratung und Coaching mehr hochsensible Frauen auftauchen, liegt am Rollenbild: Ein sensibler Mann fällt aus dem Bild vom starken Mann heraus und versteckt seine Sensibilität eher, als dass er sie annimmt.

5. Hochsensibilität zeigt sich am stärksten in der Kindheit und ab etwa 25 Jahren

Das ist meine Beobachtung aus über zwanzig Jahren Praxis. Die hochsensiblen Kinder fallen früh auf: Sie reagieren stark auf laute Geräusche, kratzende Kleidung, Streit und neue Situationen. In der Pubertät tritt die Hochsensibilität durch die veränderte Hormonproduktion oft in den Hintergrund; viele Jugendliche wirken in dieser Zeit weniger empfindlich. Ab Mitte zwanzig, wenn Beruf, Beziehung und Verantwortung dazukommen, meldet sie sich deutlich zurück. Wie Hormone die Sensibilität verschieben, erkläre ich im Beitrag über Hochsensibilität und Hormone.

6. 70 Prozent der Hochsensiblen sind introvertiert, 30 Prozent extrovertiert

Auch diese Verteilung stammt von Aron. Hochsensibilität und Introversion sind nicht dasselbe. Wie sich die introvertierten und die extrovertierten Hochsensiblen unterscheiden, zeige ich in den Beiträgen über introvertierte Hochsensible und Ausprägungen der Hochsensibilität.

7. Hochsensibilität ist keine Krankheit

Hochsensibilität ist keine psychische Störung und steht in keinem Diagnosehandbuch. Sie ist ein Persönlichkeitsmerkmal, eine Charakterausprägung, die aus Sicht der Evolutionsbiologie einen Sinn hat: In jeder Gruppe braucht es Mitglieder, die Gefahren früh bemerken, Stimmungen lesen und gründlich abwägen. Dass es sie in einem festen Anteil gibt, sichert das Fortbestehen der Gruppe. Krank werden Hochsensible erst, wenn sie dauerhaft überreizt leben und niemand ihre Wahrnehmung ernst nimmt.

8. Eine starke Sensibilisierung kann auch durch ein Trauma entstehen

Ein lebensbedrohliches Erlebnis kann das Nervensystem so in Alarm versetzen, dass ein Mensch vorübergehend auf alles reagiert wie ein Hochsensibler: Er schreckt bei jedem Geräusch zusammen, verträgt keine Menschenmengen und liest jede Miene. Diese Sensibilisierung nimmt nach der Verarbeitung des Geschehenen wieder ab. Die angeborene Hochsensibilität bleibt. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen beiden.

9. Viele Hochsensible haben ein Entwicklungstrauma

Weil hochsensible Kinder stärker auf ihre Umgebung reagieren, hinterlassen Abwertung, Überforderung und fehlende Feinfühligkeit der Eltern bei ihnen tiefere Spuren. In meiner Arbeit sehe ich deshalb sehr häufig beides zusammen: die angeborene Hochsensibilität und ein Entwicklungstrauma, das erst die Schattenseiten der Hochsensibilität hervorbringt. Beides lässt sich trennen und bearbeiten; darum geht es im traumasensiblen Coaching für Hochsensible.

10. Hochsensibilität gibt es auch bei Tieren

Bei über hundert Tierarten, von Fruchtfliegen über Fische bis zu Hunden und Affen, haben Forscher zwei Strategien gefunden: Ein kleinerer Teil der Tiere beobachtet erst und handelt dann, der größere Teil handelt sofort. Der Biologe Max Wolf hat 2008 mit einem evolutionären Modell gezeigt, warum sich beide Strategien halten. Bei höheren Säugetieren liegt der Anteil der sensiblen Tiere ähnlich wie beim Menschen bei bis zu 20 Prozent. Hochsensibilität ist also eine alte, sinnvolle Überlebensstrategie.

Noch mehr Grundlagenwissen bekommst du in meinem Online-Kurs Hochsensibilität erkennen und verstehen.

Keine Krankheit, aber sie kann krank machen

Weil die Frage so oft kommt, hier noch einmal ausführlich: Hochsensibilität ist keine medizinische Diagnose. Kein Arzt kann sie feststellen, kein Medikament behandelt sie, und das ist richtig so, denn es gibt nichts zu heilen. Trotzdem sitzen viele hochsensible Menschen mit Erschöpfung, Schlafstörungen, Ängsten oder Depressionen beim Arzt. Der Grund ist selten die Hochsensibilität selbst. Der Grund ist ein Leben, das nicht zu ihr passt: zu viele Reize, zu wenig Ruhe, zu viel Anpassung an Menschen, die anders ticken. Das führt in den Dauerstress, den ich im Beitrag über Cortisol, Hochsensible und Dauerstress beschreibe.

Die Abgrenzung ist wichtig, weil Hochsensibilität leicht mit anderen Dingen verwechselt wird. Eine Reizfilterschwäche gibt es auch bei ADHS, eine Reizempfindlichkeit auch bei Autismus, ein starkes Erschrecken auch bei Angststörungen und nach Traumata. Hochsensibilität erkennt man daran, dass sie von Geburt an besteht, alle Sinne betrifft, mit einer tiefen Verarbeitung und einer hohen Empathie einhergeht und in ruhigen Phasen keine Beschwerden macht. Woran du sie im Einzelnen erkennst, steht im Beitrag Hochsensibilität einfach erklärt: typische Merkmale und Test.

Hochsensible Kinder und hochsensible Eltern

Für Eltern ist die Vererbungsfrage selten eine akademische. Dahinter steht meistens Schuld: „Habe ich ihm das eingebrockt?“ Nein. Du hast deinem Kind eine Veranlagung weitergegeben, die in jeder fünften Familie vorkommt und die es bei guter Begleitung zu einem aufmerksamen, empathischen und gründlichen Menschen macht. Wenn du selbst hochsensibel bist, hast du sogar einen Vorteil: Du verstehst aus eigener Erfahrung, warum dein Kind nach dem Kindergeburtstag zusammenbricht und warum der Pullover mit dem Etikett unerträglich ist.

Hochsensible Eltern haben allerdings auch eine besondere Aufgabe. Sie sind selbst schneller überreizt, und das Leben mit hochsensiblen Kindern ist ein Dauerreiz. Die Empfindsamkeit, die Eltern und Kind teilen, ist gleichzeitig Verbindung und Belastung. Wer sich als Elternteil um die eigenen Ruhephasen kümmert, kann dem Kind die Ruhe geben, die es braucht. Deshalb beginnt die Arbeit mit Eltern hochsensibler Kinder bei mir fast immer bei den Eltern selbst. Ob dein Kind hochsensibel ist, kannst du mit meinem Test für hochsensible Kinder prüfen; er enthält 116 Merkmale aus dem Alltag. Deine Sensibilität und die deines Kindes sind genau richtig, so wie sie sind.

Auf einen Blick: Vererbung der Hochsensibilität

FrageAntwortBeleg
Ist Hochsensibilität vererbbar?Ja, rund 47 Prozent der Unterschiede sind genetisch bedingtZwillingsstudie Assary und andere 2021
Gibt es ein Hochsensibilitäts-Gen?Nein, viele Genvarianten wirken zusammen (Serotonin, Dopamin)Licht 2011, Chen 2011
Wer vererbt sie?Beide Eltern; Kombination entscheidetPolygener Erbgang
Kann sie Generationen überspringen?Ja, scheinbar; die Anlagen bleiben in der FamilieFolgt aus dem polygenen Erbgang
Wie viele Menschen sind hochsensibel?15 bis 20 Prozent nach Aron, bis 30 Prozent in neueren StudienAron 1996, Lionetti 2018
Männer oder Frauen?Gleich häufigAron 1996
Ist Hochsensibilität eine Krankheit?Nein, ein angeborenes PersönlichkeitsmerkmalAron und Aron 1997, Greven 2019
Gibt es sie bei Tieren?Ja, bei über hundert ArtenWolf und andere 2008
Kann ein Trauma hochsensibel machen?Es kann vorübergehend sensibilisieren; die angeborene Hochsensibilität bleibtPraxiserfahrung

Ausführlichere Informationen zur Hochsensibilität findest du in diesem Video.

Häufige Fragen zur Vererbung von Hochsensibilität

Ist Hochsensibilität genetisch bedingt oder erlernt?

Beides spielt zusammen. Etwa die Hälfte der Unterschiede in der Sensibilität ist genetisch bedingt, die andere Hälfte entsteht durch Umwelteinflüsse. Die Veranlagung ist angeboren; wie stark und in welcher Form sie sich zeigt, hängt von den Erfahrungen ab, vor allem in der Kindheit.

Wer vererbt Hochsensibilität, Mutter oder Vater?

Beide Eltern geben Anlagen weiter, weil viele Gene beteiligt sind. Es gibt kein Gen, das nur über die Mutter oder nur über den Vater vererbt wird. Deshalb können auch zwei Eltern, die selbst nicht hochsensibel sind, ein hochsensibles Kind haben.

Kann Hochsensibilität eine Generation überspringen?

Ja, dem Anschein nach. Die Genvarianten bleiben in der Familie, aber nicht in jeder Generation entsteht die Kombination, die zur Hochsensibilität führt. Häufig war die Hochsensibilität bei Großeltern oder Eltern auch einfach vorhanden, wurde aber nie benannt.

Wie erkennt man Hochsensibilität bei Kindern und Erwachsenen?

Typische Anzeichen für Hochsensibilität sind eine starke Reaktion auf laute Geräusche, Gerüche, kratzende Stoffe und grelles Licht, eine tiefe Verarbeitung von Erlebnissen, hohe Empathie, ein schnelles Überfordertsein in vollen Räumen und ein hohes Bedürfnis nach Rückzug. Bei Kindern kommen starke Gefühle, Schwierigkeiten mit Übergängen und ein feines Gespür für Stimmungen dazu. Einen ersten Anhaltspunkt geben mein Test für Erwachsene und mein Test für hochsensible Kinder.

Ist Hochsensibilität eine Krankheit oder eine psychische Störung?

Nein. Hochsensibilität ist keine psychische Störung und keine medizinische Diagnose. Sie ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, eine Persönlichkeitseigenschaft wie Introversion oder Gewissenhaftigkeit. Krank werden Hochsensible, wenn sie dauerhaft überreizt leben; dann entstehen Erschöpfung, Schlafstörungen oder Ängste als Folge, die behandelt werden sollten.

Wird Hochsensibilität im Alter schlimmer?

Die Veranlagung bleibt gleich. Was sich verändert, sind die Puffer: Schlaf, Hormone, Gesundheit und die Menge an Verantwortung. Viele Hochsensible erleben ihre Sensibilität ab Mitte zwanzig und in den Wechseljahren als stärker, weil diese Puffer dünner werden. Mit dem passenden Umgang mit Hochsensibilität wird es im Alter für viele leichter, weil sie sich selbst besser kennen.

Was ist der Unterschied zwischen Hochsensibilität und Hochsensitivität?

Hochsensibilität ist das angeborene Persönlichkeitsmerkmal nach Elaine Aron: eine tiefere Verarbeitung von Sinnesreizen, stärkere Gefühle und eine schnellere Überreizung. Hochsensitivität wird dagegen oft für Menschen verwendet, die über die fünf Sinne hinaus wahrnehmen, etwa Auren sehen oder Vorahnungen haben. Das ist ein anderes Thema. Manche Hochsensible berichten von solchen Erfahrungen, viele nicht; ein Beleg für Hochsensibilität ist das nicht. In diesem Beitrag und auf dieser Website geht es um Hochsensibilität im Sinne von Aron.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Aron, E. N. (1996): The Highly Sensitive Person. Broadway Books, New York.
  • Aron, E. N. und Aron, A. (1997): Sensory-processing sensitivity and its relation to introversion and emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73, 345 bis 368.
  • Assary, E., Zavos, H. M. S., Krapohl, E., Keers, R. und Pluess, M. (2021): Genetic architecture of Environmental Sensitivity reflects multiple heritable components: a twin study with adolescents. Molecular Psychiatry, 26, 4896 bis 4904.
  • Belsky, J. und Pluess, M. (2009): Beyond diathesis stress: Differential susceptibility to environmental influences. Psychological Bulletin, 135, 885 bis 908.
  • Chen, C. und andere (2011): Contributions of dopamine-related genes and environmental factors to highly sensitive personality: a multi-step neuronal system-level approach. PLoS ONE, 6, e21636.
  • Greven, C. U. und andere (2019): Sensory Processing Sensitivity in the context of Environmental Sensitivity. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 98, 287 bis 305.
  • Licht, C., Mortensen, E. L. und Knudsen, G. M. (2011): Association between sensory processing sensitivity and the 5-HTTLPR short/short genotype. Posterbeitrag, Jahrestagung der Society of Biological Psychiatry, Biological Psychiatry, 69 (Supplement), 152S.
  • Lionetti, F. und andere (2018): Dandelions, tulips and orchids: evidence for the existence of low-sensitive, medium-sensitive and high-sensitive individuals. Translational Psychiatry, 8, 24.
  • Wolf, M., van Doorn, G. S. und Weissing, F. J. (2008): Evolutionary emergence of responsive and unresponsive personalities. PNAS, 105, 15825 bis 15830.

Über die Autorin

Sandra Quedenbaum, Coach für Hochsensible

Sandra Quedenbaum arbeitet seit über zwanzig Jahren mit hochsensiblen Menschen und bildet seit fast 20 Jahren Coaches aus. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, selbst hochsensibel und begleitet ihre Kunden im Einzelcoaching, in Online-Kursen und in der Ausbildung zum HSP-Coach. Ihr Ansatz ist körperorientiert und traumasensibel.

Zuletzt aktualisiert am 21. September 2026

E-Book Hochsensibilität verstehen von Sandra Quedenbaum, Vorschau auf Laptop, Tablet und Smartphone

Drei Geschenke für dich, kostenlos zum Newsletter

Trag dich in meinen Newsletter ein, und du bekommst als Dankeschön mein E-Book „Hochsensibilität verstehen: Für ein selbstbestimmtes Leben“, dazu einen kleinen Kurs in acht E-Mails, jede mit einem Video von mir und einem Workbook zum Mitarbeiten, und einen Rabattcode, mit dem dich mein Onlinekurs „Hochsensibilität erkennen und verstehen“ nur 27 statt 97 Euro kostet.

Danach schreibe ich dir, wenn es ein neues Video oder eine neue Podcastfolge gibt, und du erfährst als Erste, wann Ausbildungen und Seminare starten. Keine Flut in deinem Postfach, abmelden geht jederzeit mit einem Klick.

Deine Daten bleiben bei mir. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Hier findest du weitere Beiträge zur Hochsensibilität

Welches Thema beschäftigt dich gerade?

Kostenloses E-Book Hochsensibilität verstehen

Drei Geschenke für dich

Trag dich in meinen Newsletter ein, und du bekommst mein E-Book „Hochsensibilität verstehen: Für ein selbstbestimmtes Leben“, einen kleinen Kurs in acht E-Mails mit Video und Workbook und einen Rabattcode, mit dem dich mein Onlinekurs „Hochsensibilität erkennen und verstehen“ nur 27 statt 97 Euro kostet.

Ich schreibe nur, wenn es etwas zu sagen gibt. Abmelden geht jederzeit mit einem Klick.