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Du bist hochsensibel, aber das Bild vom stillen, zurückgezogenen Menschen passt überhaupt nicht zu dir? Du brauchst Abwechslung, langweilst dich schnell, stürzt dich voller Begeisterung in Neues und bist danach völlig erschöpft? Dann hast du vielleicht schon den Begriff High Sensation Seeker gehört, kurz HSS. Nach dem Modell von Elaine Aron ist eine hochsensible Person, kurz HSP, vorsichtig und bedacht; ein HSS sucht dagegen immer neue Reize. Kann beides zusammengehen? In diesem Beitrag erkläre ich dir, was Sensation Seeking bedeutet, woran du einen High Sensation Seeker erkennst, was das mit Hochsensibilität zu tun hat und warum ich bei diesem Begriff genauer hinschaue als viele andere. Denn nach meiner Erfahrung werden extrovertierte Hochsensible häufig fälschlicherweise als High Sensation Seeker eingeordnet, obwohl es Unterschiede gibt.
Kurz gesagt
Sensation Seeking ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das der amerikanische Psychologe Marvin Zuckerman beschrieben hat: das Bedürfnis nach neuen, intensiven und abwechslungsreichen Erfahrungen. Als High Sensation Seeker werden Menschen bezeichnet, bei denen dieses Bedürfnis stark ausgeprägt ist. Elaine Aron, die Begründerin des Modells der Hochsensibilität, hat das Sensation Seeking der Hochsensibilität zugeordnet. Seitdem weiß man aber viel mehr über das Nervensystem. Nach dem Hirnforscher Gerhard Roth entsteht zumindest die extreme Form aus einer Schädigung des Nervensystems: Diese Menschen sind immer auf der Suche nach dem nächsten Kick, auch in lebensgefährlichen Situationen. Nach meiner Auffassung hat diese extreme Form nichts mit der Hochsensibilität zu tun, denn hochsensible Menschen sind achtsam und vorausschauend. Hochsensible, die gern neue Reize suchen, pendeln dagegen zwischen Unterforderung und Überreizung: Sie suchen ständig neue Reize und sind gleichzeitig schnell überreizt. Wer dieses Muster bei sich erkennt, kann lernen, sich selbst zu regulieren. Wichtig ist dabei, genau hinzusehen, ob es sich um einen extrovertierten Hochsensiblen im Stress handelt oder um ein anderes Stressmuster.
Was bedeutet Sensation Seeking?
Der Begriff Sensation Seeking stammt aus der Persönlichkeitspsychologie und ist ein empirisch gut untersuchtes Persönlichkeitskonstrukt. Marvin Zuckerman hat ihn in den 60er und 70er Jahren geprägt und dafür einen Fragebogen entwickelt, die Sensation Seeking Scale. Gemeint ist die Suche nach neuen, vielfältigen, komplexen und intensiven Erfahrungen und die Bereitschaft, dafür körperliche, soziale oder finanzielle Risiken einzugehen. Zuckerman unterscheidet vier Bereiche: die Suche nach Nervenkitzel und Abenteuer, die Suche nach neuen Erfahrungen etwa durch Reisen, Kunst oder ungewöhnliche Lebensstile, Enthemmung im sozialen Bereich und eine ausgeprägte Anfälligkeit für Langeweile. Menschen mit hohen Werten auf dieser Skala werden High Sensation Seeker genannt, Menschen mit niedrigen Werten Low Sensation Seeker; sie kommen mit weniger Reizen aus und meiden Situationen mit zu viel Stimulation. Vermutet wird, dass beim Sensation Seeking das Belohnungssystem im Gehirn auf Neues besonders stark anspricht.
Was bedeutet High Sensation Seeking bei Hochsensiblen?
Elaine Aron hat das Konzept von Zuckerman aufgegriffen und mit ihrem Modell der Hochsensibilität verbunden. Ihrer Beobachtung nach gibt es hochsensible Menschen, die gleichzeitig ein starkes Bedürfnis nach neuen Erfahrungen und immer neuen Reizen haben. Aron beschreibt diese Kombination als eine Art inneren Dauerkonflikt: Ein System drängt nach Neuem, das andere warnt vor Überreizung. Auf ihrer Website bietet sie neben dem Hochsensibilitätstest auch einen eigenen High Sensation Seeking Test an. Wie ich diese Zuordnung heute einordne, erkläre ich im nächsten Abschnitt.
Diese hochsensiblen HSS erleben die Welt intensiv und wollen genau das: intensive Eindrücke, neue Menschen, neue Projekte, neue Orte. Gleichzeitig verarbeiten sie alle Reize tief und sind dadurch schneller überreizt als andere Reizsucher. Das Ergebnis ist ein ständiger Wechsel zwischen Unterstimulation und Überbelastung. Typischerweise überlasten sie sich in intensiven produktiven Phasen und sind danach völlig erschöpft.
Extrovertiert oder introvertiert, HSP oder HSS? Warum ich hier genauer hinschaue
Hier kommt der Punkt, an dem ich von vielen Darstellungen im Netz abweiche. Nach meiner Erfahrung werden extrovertierte Hochsensible sehr häufig als HSS eingeordnet, obwohl es Unterschiede gibt. Extrovertierte Hochsensible sind meist eher ambivertiert: Sie wechseln zwischen einer extrovertierten Phase voller Begeisterung, in der sie sich in neue Projekte stürzen, und einer Phase des kompletten Rückzugs, in der sie nichts und niemanden ertragen. Das sieht von außen wie die Suche nach dem nächsten Kick aus, ist aber in Wirklichkeit ein hochsensibles Nervensystem im Stress, dem die Selbstwahrnehmung fehlt, um rechtzeitig zu bremsen.
Seit Elaine Aron das Sensation Seeking der Hochsensibilität zugeordnet hat, weiß man viel mehr über das Nervensystem. Der Hirnforscher Gerhard Roth beschreibt, dass zumindest die extreme Form des High Sensation Seeking aus einer Schädigung des Nervensystems durch frühe traumatische Erfahrungen entsteht. Nach seiner Beschreibung reagiert das Nervensystem dieser Menschen anders auf Risiko und Belohnung; sie brauchen stärkere Reize, um überhaupt etwas zu spüren, und sind immer auf der Suche nach dem nächsten Kick. Dieser Kick ist mit großen Gefahren verbunden: gefährliche Sportarten, wechselnde Sexualpartner ohne Verhütung oder Geldanlagen, bei denen ein extremer Verlust möglich ist.
Nach meiner Auffassung widerspricht das dem achtsamen und vorausschauenden Wesen hochsensibler Menschen, das Elaine Aron selbst beschreibt: Hochsensible sind vorsichtig und bedacht. Sie können mutig sein, aber sie sind nicht waghalsig und suchen keine Situationen, die nah am Lebensbedrohlichen sind. Diese extreme Form des Sensation Seeking hat deshalb nichts mit der Hochsensibilität zu tun. Wie der Kreislauf aus Begeisterung und Kollaps bei extrovertierten Hochsensiblen im Stress entsteht und was dagegen hilft, erkläre ich ausführlich im Beitrag Was extrovertierte Hochsensible beachten sollten.
Für dich heißt das: Wenn du hochsensibel bist und dich in der Reizsuche wiedererkennst, ist die Frage nicht, ob du ein Etikett mehr bekommst. Die Frage ist, ob deine Suche nach neuen Reizen aus Neugier und Lebendigkeit kommt oder ob sie ein Stressmuster ist, mit dem du innere Leere oder Unruhe wegmachst.
Auf einen Blick: Hochsensible Person, extrovertierte Hochsensible im Stress und High Sensation Seeker im Vergleich
| Merkmal | Hochsensible Person (HSP) | Extrovertierte Hochsensible im Stress | High Sensation Seeker (HSS) |
|---|---|---|---|
| Grundhaltung | Vorsichtig, bedacht, beobachtet erst | Begeisterungsfähig, stürzt sich in Neues | Sucht Nervenkitzel und intensive Erfahrungen |
| Umgang mit Risiko | Mutig, aber nicht waghalsig | Übernimmt sich in Projekten, nicht in Gefahr | Nimmt bewusst Risiken und Grenzerfahrungen in Kauf |
| Nach intensiven Phasen | Braucht Ruhe und erholt sich in Minuten bis Stunden | Kompletter Rückzug über Tage, danach neuer Input | Unterforderung und Langeweile, Suche nach dem nächsten Reiz |
| Nervensystem | Fein, tief verarbeitend, gut regulierbar | Hochsensibel, aber im Dauerstress ohne Selbstwahrnehmung | Nach Gerhard Roth durch frühe Belastungen verändertes Nervensystem |
| Was hilft | Reize dosieren, Pausen, Grenzen | Selbstwahrnehmung schulen, Stressregulation lernen | Muster verstehen, Antrieb ehrlich anschauen, Begleitung |
Woran erkennt man High Sensation Seeking? Charakteristische Merkmale
Die folgenden Merkmale beschreiben, was Menschen mit High Sensation Seeking typischerweise zeigen. Sie sind kein Test, aber eine gute Orientierung:
- Anfälligkeit für Über- oder Unterstimulation: Zu wenig Reize sind genauso unerträglich wie zu viele.
- Leichte Begeisterungsfähigkeit: Neue Ideen, Menschen und Projekte lösen sofort Feuer aus.
- Impulsive Handlungsweisen und eine starke Impulskraft: Entscheidungen fallen schnell und werden sofort umgesetzt.
- Suche nach intensiven Emotionen und intensiven Eindrücken, auch nach Nervenkitzel.
- Häufiger Wechsel zwischen aktivem Anpacken und Aufgeben: Was gestern noch alles war, ist heute uninteressant.
- Schnell gelangweilt bei Routine, Wiederholung und Wartezeiten.
- Verwirrung des sozialen Umfelds: Partner, Familie und Kollegen kommen mit dem Tempo und den Wechseln nicht hinterher.
- Häufige Konflikte mit Systemen und Strukturen, etwa mit festen Arbeitszeiten, Hierarchien oder Regeln.
- Vielseitig und begabt in vielen Bereichen, weshalb sie oft als Multitalente wahrgenommen werden.
Bei hochsensiblen High Sensation Seekern kommen die typischen Merkmale der Hochsensibilität hinzu: die tiefe Verarbeitung, die starke Empathie, das Bedürfnis nach Rückzug nach intensiven Phasen und die schnelle Überreizung in lauten und vollen Umgebungen. Welche Merkmale das genau sind, liest du im Beitrag Hochsensibilität einfach erklärt.
High Sensation Seeker Kind: Woran erkennt man das bei Kindern?
Auch bei Kindern zeigt sich das Muster früh. Ein hochsensibles Kind mit High Sensation Seeking ist neugierig, sprüht vor Ideen, will alles ausprobieren und langweilt sich schnell, wenn nichts Neues passiert. Gleichzeitig ist es nach einem vollen Tag überreizt, weinerlich oder wütend und braucht viel Rückzug, den es sich selbst aber nicht nimmt. Für Eltern ist das verwirrend: Das Kind fordert ständig neue Reize ein und bricht dann an genau diesen Reizen zusammen. Was es braucht, sind Eltern, die beides ernst nehmen, das Bedürfnis nach Neuem und das Bedürfnis nach Ruhe, und die den Tag so strukturieren, dass beides seinen Platz hat. Woran du ein hochsensibles Kind grundsätzlich erkennst, erfährst du im Beitrag So erkennst du ein hochsensibles Kind.
High Sensation Seeking im Erwachsenenalter: Multitalente zwischen Begeisterung, Überreizung und Burn-out
Im Erwachsenenalter zeigen sich Potenziale und Herausforderungen besonders deutlich. HSS sind oft die Menschen, die Neues anstoßen, sich schnell einarbeiten, kreative Lösungen finden und andere mitreißen. In Berufen mit Abwechslung, Eigenverantwortung und Gestaltungsspielraum blühen sie auf. In starren Strukturen mit viel Routine langweilen sie sich, werden unzufrieden und wechseln häufig Job, Wohnort oder Partner. Wie sich diese Mischung in einer Beziehung auswirkt, beschreibe ich im Beitrag Hochsensibilität in der Partnerschaft.
Die Kehrseite: Die ständige Suche nach neuen Reizen verbraucht bei hochsensiblen Menschen enorm viel Energie, weil jeder Reiz tief verarbeitet wird. Viele Hochsensible mit diesem Muster kennen den Kreislauf aus Begeisterung, Überarbeitung, Zusammenbruch und Rückzug, bis der nächste Reiz lockt. Ohne Selbstwahrnehmung führt dieser Kreislauf auf Dauer in die Erschöpfung, oft bis zum Burn-out. Wie eine dauerhafte Überreizung das Nervensystem belastet, erkläre ich im Beitrag Hochsensible in der Überreizung.
High Sensation Seeking, Hochbegabung und Scanner-Persönlichkeit: Was ist der Unterschied?
Diese drei Begriffe werden oft in einem Atemzug genannt, beschreiben aber verschiedene Dinge. Hochbegabung ist eine überdurchschnittliche intellektuelle Begabung, die mit einem Intelligenztest gemessen wird. Hochbegabte Menschen, also Menschen mit einem sehr hohen IQ, brauchen geistige Herausforderung und sind bei Unterforderung schnell gelangweilt, was nach außen dem Sensation Seeking ähneln kann. Die Scanner-Persönlichkeit ist ein Begriff der amerikanischen Autorin Barbara Sher für Menschen mit vielen gleichzeitigen Interessen, die sich nicht auf ein Thema festlegen wollen. Auch das überschneidet sich mit dem Bild des vielseitigen HSS; manche sprechen deshalb von hochsensiblen Scannern. Der Unterschied liegt im Antrieb: Beim Sensation Seeking geht es um die Intensität und Neuheit der Reize, bei der Hochbegabung um das Denkniveau und bei der Scanner-Persönlichkeit um die Vielfalt der Interessen. Ein Mensch kann eines davon sein, mehrere oder alle drei. Und keines davon sagt etwas darüber aus, ob jemand introvertiert oder extrovertiert ist; in der Fachsprache heißt es übrigens extravertiert.
Was brauchen High Sensation Seeker? Selbstmanagement für hochsensible Reizsucher
Wenn sich HSS ihres Musters bewusst werden, können sie lernen, damit umzugehen und sich besser selbst zu regulieren. Das gilt besonders für hochsensible Personen mit diesem Muster, denn ihr Nervensystem verzeiht Überlastung weniger. Dafür sind fünf Dinge entscheidend:
- Selbstwahrnehmung: Lerne, die ersten Anzeichen der Überdrehung zu spüren, bevor der Zusammenbruch kommt. Das ist der wichtigste Schritt und der, der den meisten fehlt.
- Bewusste Dosierung der Reize: Plane intensive Phasen bewusst ein und plane genauso bewusst die Erholung danach. Nicht der Reiz ist das Problem, sondern die fehlende Pause.
- Rückzug, bevor er nötig wird: Warte nicht, bis du gereizt und erschöpft bist. Ein Ruhebedürfnis, das rechtzeitig beachtet wird, kostet Stunden; eines, das übergangen wird, kostet Tage.
- Strukturen, die zu dir passen: Suche dir Arbeit und Umgebungen mit Abwechslung und Freiraum, statt dich in Systeme zu zwängen, mit denen du ständig in Konflikt gerätst.
- Ehrlicher Blick auf den Antrieb: Wenn die Suche nach dem nächsten Reiz dazu dient, Unruhe, Leere oder alte Verletzungen nicht zu spüren, hilft kein Selbstmanagement. Dann lohnt es sich, dieses Muster mit Unterstützung anzuschauen.
Bin ich ein High Sensation Seeker? Test und Einordnung
Elaine Aron stellt auf ihrer Website einen Selbsttest für High Sensation Seeking zur Verfügung, der auf Zuckermans Fragen aufbaut. Wissenschaftlich fundiert ist die Sensation Seeking Scale von Zuckerman selbst, die in der Forschung eingesetzt wird. Ein Selbsttest gibt dir eine erste Orientierung. Wichtiger als das Ergebnis ist die Frage, wie du dich mit dem Ergebnis fühlst und was du daraus machst. Wenn du unsicher bist, ob du hochsensibel bist, findest du den interaktiven Test im Beitrag Test Hochsensibilität für Erwachsene.
Wenn die Suche nach neuen Reizen zur Belastung wird: Coaching für Hochsensible
Wenn du dich in diesem Beitrag wiedererkennst und merkst, dass du den Wechsel zwischen Begeisterung und Zusammenbruch allein nicht in den Griff bekommst, unterstütze ich dich im Coaching für Hochsensible. Dort schauen wir gemeinsam, ob hinter deiner Reizsuche Lebendigkeit steckt, die einen passenden Rahmen braucht, oder ein Stressmuster, das dich seit Jahren antreibt. Beides ist lösbar, aber auf unterschiedliche Weise. Wie Stressregulation bei Hochsensiblen funktioniert, erfährst du auch in meinem Onlinekurs LIVE UP Stressmanagement für Hochsensible.
Ausführlichere Informationen zur Hochsensibilität findest du in diesem Video
Häufige Fragen zu High Sensation Seeking
Was bedeutet Sensation Seeking?
Sensation Seeking ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das Marvin Zuckerman beschrieben hat. Es bezeichnet das Bedürfnis nach neuen, intensiven und abwechslungsreichen Erfahrungen und die Bereitschaft, dafür Risiken einzugehen. Menschen mit stark ausgeprägtem Sensation Seeking werden High Sensation Seeker genannt.
Kann man gleichzeitig hochsensibel und ein High Sensation Seeker sein?
Nach Elaine Aron ja: Sie beschreibt Hochsensible, die zugleich stark nach neuen Reizen suchen und deshalb zwischen Unterforderung und Überreizung pendeln. Seitdem weiß man aber viel mehr über das Nervensystem. Nach Gerhard Roth entsteht zumindest die extreme Form, bei der Menschen bewusst gefährliche Situationen suchen, aus einer Schädigung des Nervensystems. Diese extreme Form hat nach meiner Auffassung nichts mit Hochsensibilität zu tun, denn sie widerspricht dem achtsamen und vorausschauenden Wesen hochsensibler Menschen. Viele extrovertierte Hochsensible im Stress werden zudem vorschnell als High Sensation Seeker eingeordnet.
Was ist ein High Sensation Seeker Kind?
Ein Kind, das ständig neue Reize, Abenteuer und Abwechslung sucht, sich schnell langweilt und gleichzeitig, wenn es hochsensibel ist, nach vollen Tagen überreizt und erschöpft ist. Es braucht Eltern, die sowohl das Bedürfnis nach Neuem als auch das Bedürfnis nach Ruhe ernst nehmen.
Sind High Sensation Seeker immer extrovertiert oder risikofreudig?
Nein. Sensation Seeking sagt nichts darüber aus, ob jemand introvertiert oder extrovertiert ist. Auch introvertierte Menschen können stark nach neuen Erfahrungen suchen, etwa durch Reisen, Kunst oder intensive geistige Arbeit. Und nicht jeder HSS sucht körperliche Risiken; bei vielen zeigt sich die Reizsuche in neuen Ideen, Projekten und Erlebnissen.
Was passiert, wenn alles zu viel wird?
Dann kippt die Reizsuche in die Überreizung: Das Nervensystem ist überlastet, die Betroffenen werden gereizt, erschöpft und ziehen sich komplett zurück. In dieser Phase hilft nur Ruhe und Reizreduktion. Langfristig hilft es, das eigene Muster zu erkennen und die Reize bewusst zu dosieren.
Quellen und weiterführende Literatur
- Zuckerman, M. (1994): Behavioral Expressions and Biosocial Bases of Sensation Seeking. Cambridge University Press.
- Aron, E. N. (1996): The Highly Sensitive Person. Deutsche Ausgabe: Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen. mvg Verlag.
- Aron, E. N. und Aron, A. (1997): Sensory-processing sensitivity and its relation to introversion and emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73(2), 345 bis 368. Zum Artikel
- Sher, B. (2006): Refuse to Choose! Deutsche Ausgabe: Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast. dtv.
Über die Autorin

Sandra Quedenbaum ist Coach für hochsensible Menschen und Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie begleitet seit über zwanzig Jahren hochsensible Menschen im Einzelcoaching, ist selbst hochsensibel und bildet seit fast 20 Jahren als Lehrtrainerin aus, unter anderem in ihrer Online-Ausbildung zum HSP-Coach. Sie arbeitet telefonisch, online und in Salzhemmendorf im Weserbergland. Ihr Markenversprechen: Hochsensibel leicht leben. Dieser Beitrag wurde im September 2026 vollständig überarbeitet und erweitert.