10 Stärken der Hochsensibilität: Vorteile und positive Eigenschaften

Inhaltsverzeichnis

In meinen Seminaren erlebe ich es immer wieder: Hochsensible Teilnehmer brauchen einen Moment länger für ihre Antwort, und dann kommt etwas, das durchdachter ist als alles, was vorher gesagt wurde. Genau darum geht es in diesem Beitrag: um die Stärken der Hochsensibilität, die sich aus der tiefen Verarbeitung von Informationen ergeben, um die Vorteile, die hochsensible Menschen dadurch haben, und darum, warum sie so oft unterschätzt werden. Nach diesen besonderen Fähigkeiten von hochsensiblen Personen lecken sich durchschnittlich sensible Menschen die Finger.

Ich lade dich ein, beim Lesen zu schauen, welche dieser Stärken du bei dir selbst wiederfindest. Schauen wir uns das der Reihe nach an.

Kurz gesagt: Stärken der Hochsensibilität bei Erwachsenen

Hochsensibilität ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal. Nach Elaine Aron sind etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen hochsensibel. Ihr Kern ist die tiefe Verarbeitung von Informationen: Hochsensible nehmen Reize intensiver wahr und verarbeiten sie gründlicher und stärker vernetzt als durchschnittlich sensible Menschen. Daraus ergeben sich zehn Stärken: Reflexionsfähigkeit, ökologisches Bewusstsein, Werteorientierung, Ressourcenorientierung, vorausschauendes Denken, Gefühlsintensität, Empathie, ein Blick für Fehler im System, Kreativität sowie Überblick und Fokussierung. Diese Stärken sind im Alltag, im Beruf und in Beziehungen spürbar, sobald ein hochsensibler Mensch seine Veranlagung kennt und sein Nervensystem im Gleichgewicht ist. Ob du es Hochsensibilität oder Hochsensitivität nennst, ist Geschmackssache; beide Wörter beschreiben dieselben Stärken.

Was bedeutet Hochsensibilität? Tiefe Verarbeitung von Informationen

Nach den Forschungen von Elaine Aron, der Entwicklerin des Modells der Hochsensibilität, gibt es vier grundlegende Merkmale. Diese bilden die Basis einer Hochsensibilität. Das Konzept der Hochsensibilität beruht auf ihrem Fragebogen, der Highly Sensitive Person Scale von 1997, und beschreibt ein Persönlichkeitsmerkmal, keine Diagnose. Aron fasst die vier Merkmale im Englischen unter dem Kürzel DOES zusammen:

  • Die tiefe Verarbeitung von Informationen (depth of processing)
  • Eine leichtere Überreizbarkeit des Nervensystems (overstimulation)
  • Eine starke Gefühlswelt und ausgeprägte Empathie (emotional reactivity and empathy)
  • Eine starke Empfänglichkeit auch für leichte Reize (sensitivity to subtle stimuli)

Dieser Beitrag befasst sich mit dem ersten Merkmal, der tiefen Verarbeitung von Informationen. Gerade in diesem Bereich sind HSP besonders talentiert. Die leichtere Überreizbarkeit beschreibe ich im Beitrag Hochsensibles Nervensystem, die starke Gefühlswelt im Beitrag Hochsensible und Gefühle.

Hochsensible verarbeiten Informationen auf einer tieferen, vernetzteren Ebene als durchschnittlich sensible Menschen. Sie sind hormonell „stets für den geistigen Einsatz bereit“. Die Hirnforschung bestätigt das: In einer Studie von Jadzia Jagiellowicz und Kollegen aus dem Jahr 2011 zeigten Hochsensible beim Betrachten von Bildern mit kleinen Veränderungen eine deutlich höhere Aktivität in den Hirnregionen, die für die genaue Verarbeitung visueller Details zuständig sind. Sie brauchten länger für die Aufgabe und bemerkten mehr.

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Sind hochsensible Menschen Langsamdenker?

Durch ihr vernetztes Denken beziehen Hochsensible sehr viele Faktoren in ihre Überlegungen mit ein. Es wird ihnen oft nachgesagt, dass sie eher langsamer denken, aber das wird ihnen nach meiner Beobachtung nicht gerecht.

Hochsensible Menschen denken auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Sie bringen diese in Zusammenhang und wägen danach ab. Das heißt, sie berücksichtigen viele Faktoren auf einmal. Die Schlussfolgerung wird somit umfassender geprüft. HSP denken also genauso schnell wie andere, sie verarbeiten nur mehr Material. Und das braucht natürlich mehr Zeit.

Das ist sehr eindringlich zu beobachten, wenn ich in meinen Seminaren einen Teilnehmer direkt nach seiner Meinung frage oder in der Vorstellungsrunde jemanden direkt auffordere zu beginnen; dann fallen diese fast vom Stuhl.

Die 10 Stärken von hochsensiblen Menschen im Überblick

Nun zu den 10 Stärken, die hochsensible Menschen auszeichnen. Jede davon ist ein Faktor, der in die Informationsverarbeitung einfließt, und jede ist ein Vorteil, den Hochsensibilität im Alltag mit sich bringt. Zusammen sind das besondere Fähigkeiten, die von außen oft übersehen werden.

1. Stärke der Hochsensibilität: die Reflexionsfähigkeit

HSP sind sehr reflektiert. Das heißt, dass sie zum einen alte Erfahrungen in ihren Überlegungen berücksichtigen und zum anderen die Selbstreflexion in der Regel Teil ihrer Gedanken ist. Sie fragen sich bei fast jeder Entscheidung, welchen Anteil sie selbst an einer Situation haben. Das zeigt sich schon früh: Hochsensible Kinder sind es, die nach einem Streit im Kindergarten noch am Abend darüber nachdenken, was sie anders hätten machen können.

2. Stärke der Hochsensibilität: das ökologische Bewusstsein

Außerdem denken Hochsensible ökologisch. Sie beziehen die kurzfristigen Auswirkungen ihres Handelns ebenso ein wie die mittelfristigen und langfristigen Folgen einer Entscheidung. Das nützt ihnen sehr bei Projektplanungen, da diese Fähigkeit für nachhaltige Ergebnisse sorgt. Ein Team mit einer hochsensiblen Person am Tisch hört häufig als Erstes die Frage, was ein Plan in zwei Jahren bedeutet.

3. Stärke der Hochsensibilität: die starke Werteorientierung

Hochsensible Menschen sind in der Regel überaus werteorientiert. Ein ethisch und sozial korrektes Verhalten ist ihnen sehr wichtig. In meinen Seminaren zur Hochsensibilität ist zum Beispiel der Anteil von Veganern und Vegetariern durchschnittlich um einiges höher als in anderen Seminaren. HSP behandeln andere, wie sie selbst behandelt werden möchten. Auch dieser Faktor wird in ihre Überlegungen mit einbezogen. So sind sie im Team häufig die Mahner, die soziale Missstände benennen oder ethische Bedenken äußern. Ihr Gerechtigkeitssinn ist besonders ausgeprägt, und diese Eigenschaft macht sie zu verlässlichen Ansprechpartnern.

Sehr schwer wird es für Hochsensible, wenn sie gegen ihre Wertvorstellungen handeln sollen. Das kann sie beruflich sogar in ein Burn-out bringen, weil sie damit gegen ihre Überzeugung und gleichzeitig gegen sich selbst handeln. Sie befinden sich dann im stetigen inneren und äußeren Kampf, was unheimlich viel Kraft kostet.

4. Stärke der Hochsensibilität: die Ressourcenorientierung

Ein weiterer Faktor, der in die Informationsverarbeitung der Hochsensiblen mit einfließt, ist eine Ressourcenorientierung. Das betrifft die stofflichen Ressourcen genauso wie den eigenen Energiehaushalt.

Pinterest-Grafik 10 Stärken der Hochsensibilität

Neben der tieferen Verarbeitung von Informationen zeigen Hochsensible auch den Hang, dass ihr Nervensystem schnell gereizt ist und sie schneller überfordert sind. Deshalb haben sie ihre Kraftreserven im Blick. Sie bedenken, wie viel zeitlichen und energetischen Aufwand sie benötigen, ohne sich zu stark zu verausgaben, und welche Schritte sie tun müssen, um ihr Vorhaben in der angestrebten Zeit wirklich erledigen zu können. Das ist einer der Gründe, warum sie ein strukturiertes Vorgehen sehr schätzen. Es befriedigt gleichzeitig ihr Bedürfnis nach verlässlichem Handeln, da sie sich selten in ihren Möglichkeiten überschätzen. Sie gehen in Körperresonanz und spüren nach, was wie möglich ist. Ein hochsensibler Mensch weiß meist genau, wie viel Kraft ein Tag kostet.

5. Stärke der Hochsensibilität: vorausschauend auf allen Ebenen

Eine der evolutionären Aufgaben der Hochsensiblen ist es, Gefahren zu erkennen. Die Biologen Max Wolf, Sander van Doorn und Franz Weissing haben 2008 gezeigt, warum sich in jeder Population ein Anteil besonders aufmerksamer, reaktionsbereiter Individuen hält: Sie bemerken Veränderungen früher, und die Gruppe profitiert davon. Deshalb denken Hochsensible sehr vorausschauend und haben meistens auch den Worst Case im Blick. Weshalb sie zum Teil als Schwarzmaler wahrgenommen werden. Auch das wird ihnen nicht gerecht, da sie eben auch die positiven Auswirkungen genauso im Blick haben. Ihnen ist es wichtig, alle Eventualitäten zu bedenken. Die Frage „Was, wenn?“ ist ihr ständiger Begleiter, der ihnen auch gleichzeitig viele Handlungsmöglichkeiten aufzeigt.

6. Stärke der Hochsensibilität: Gefühlsintensität

Durch die intensive Wahrnehmung ihrer Gefühlswelt ist ihr Denken auch immer stark von Gefühlen begleitet. Ihr Denken ist eng mit ihrem Gefühl verbunden. Eine rein analytische Betrachtungsweise ist ihnen eher fremd. Bei ihren Überlegungen geht es somit selten um die reinen Fakten. Sie denken zwar viel, sind aber keine „Kopfmenschen“. Gefühle sind für sie eine Informationsquelle: Das Unbehagen bei einem Vertrag, der auf dem Papier gut aussieht, ist oft der Hinweis, den andere erst Monate später verstehen.

7. Stärke der Hochsensibilität: Empathiefähigkeit

Wegen ihrer starken Empathiefähigkeit prüfen HSP meist auch, was ihr Gegenüber bei gesagten oder geschriebenen Äußerungen zwischen den Zeilen gemeint haben könnte. Sie können sich in andere hineinversetzen und nehmen Stimmungen anderer Menschen im Raum wahr, bevor jemand sie ausspricht. Bianca Acevedo und Kollegen haben 2014 im Kernspintomografen gezeigt, dass bei Hochsensiblen beim Anblick von Gesichtern nahestehender Menschen die Hirnregionen für Empathie und Handlungsplanung stärker aktiv sind. Die Herausforderung ist hier, beim eigenen Denken zu bleiben und die Vermutungen auch immer zu überprüfen. Häufig liegen HSP mit ihren Vermutungen richtig, aber eben nicht immer. Warum diese Fähigkeit auch erschöpfen kann und wie du dich abgrenzt, liest du im Beitrag Gefühle anderer spüren.

8. Stärke der Hochsensibilität: Scannen nach Fehlern

HSP haben fast einen sechsten Sinn für Fehler im System. Bei Projektarbeiten erkennen sie sehr schnell Schwachstellen und sind irritiert, dass durchschnittlich Sensiblen das so schwerfällt, weil es in ihrer Wahrnehmung so offensichtlich ist. Diese Fähigkeit hängt direkt mit der Empfänglichkeit für leichte Reize zusammen: Wer den Tippfehler in der Fußzeile sieht, sieht auch die Lücke im Projektplan.

9. Stärke der Hochsensibilität: Kreativität

Durch das vernetzte Denken sind Hochsensible meist sehr kreativ und können schnell gute Lösungen finden. Lösungen, die zum Teil ungewöhnlich sind, da sie auch nicht offensichtliche Zusammenhänge erkennen und berücksichtigen können. Ein weiterer Aspekt ihrer evolutionären Aufgabe. Kreativität heißt hier weniger Malen und Musizieren, obwohl viele Hochsensible einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik haben, als vielmehr die Fähigkeit, in einer verfahrenen Situation einen Weg zu sehen, den vorher niemand gesehen hat. Warum Hochsensible Bestehendes so gut weiterentwickeln und wie du deine Kreativität förderst, beschreibe ich im Beitrag Hochsensibilität und Kreativität.

10. Stärke der Hochsensibilität: Überblick und Fokussierung

Ein weiterer Vorteil, der sich aus dieser Art der Informationsverarbeitung ergibt, ist die Fähigkeit, sowohl den Überblick zu behalten als auch gleichzeitig auf die Quintessenz fokussieren zu können. So kann es sein, dass in Dienstbesprechungen lange debattiert wird, und die hochsensible Person bringt dann alles kurz und knapp auf den Punkt.

Stärken und Vorteile der Hochsensibilität auf einen Blick

StärkeWoran du sie erkennstWo sie im Alltag hilft
ReflexionsfähigkeitDu beziehst alte Erfahrungen und den eigenen Anteil einLernen aus Fehlern, persönliche Entwicklung
Ökologisches BewusstseinDu fragst nach den Folgen in zwei JahrenProjektplanung, nachhaltige Entscheidungen
WerteorientierungEthische Bedenken sprichst du ausVertrauen im Team, klare Haltung
RessourcenorientierungDu schätzt Aufwand und Kraft realistisch einVerlässliche Planung, weniger Überlastung
Vorausschauendes DenkenDie Frage „Was, wenn?“ begleitet dichRisiken früh erkennen, Handlungsoptionen
GefühlsintensitätEin Bauchgefühl meldet sich vor dem VerstandEntscheidungen mit allen Informationen
EmpathieDu liest zwischen den ZeilenGespräche, Führung, Beziehungen
Blick für FehlerSchwachstellen fallen dir sofort aufQualitätssicherung, Korrektur
KreativitätDu siehst Zusammenhänge, die anderen entgehenLösungen in verfahrenen Situationen
Überblick und FokusDu bringst lange Debatten auf den PunktBesprechungen, Entscheidungen

Intensive Wahrnehmung als Stärke: warum HSP unterschätzt werden

Gerade bei introvertierten HSP laufen diese ganzen Gedankenabläufe häufig im Stillen ab. Werden sie dann nach ihrer Meinung gefragt, sind durchschnittlich Sensible überrascht, wie detailliert und durchdacht die Antworten sind. Von diesem inneren Reichtum bekommen andere oft wenig mit.

Für mich ist gerade die Fähigkeit der tiefen Verarbeitung von Informationen eine besondere Stärke der Hochsensibilität und damit ein riesiges Geschenk.

Hochsensibilität als Stärke nutzen: Was hochsensiblen Menschen guttut

Die zehn Stärken sind da. Ob sie im Alltag wirken, hängt davon ab, wie es dem Nervensystem geht. Ein überreizter hochsensibler Mensch kreist in seinen Gedanken. Überforderung und Überstimulation schalten genau die Fähigkeiten ab, die diesen Beitrag füllen. Wer die eigene Wahrnehmung als Stärke nutzen will, braucht deshalb einen guten Umgang mit Stress. Drei praktische Tipps helfen dabei.

Erstens Zeit. Die tiefe Verarbeitung braucht Zeit, und du darfst sie dir nehmen. „Ich sage dir das morgen“ ist für Hochsensible eine der wirksamsten Formulierungen, im Beruf wie in der Familie. Zweitens Erholung und Abgrenzung. Nach einem Tag im Großraumbüro, in dem Reize wie Geräusche, Gespräche und Licht auf dich eingeprasselt sind, braucht dein Nervensystem Ruhe, und die Stimmungen und Emotionen anderer Menschen, die deine Antenne den ganzen Tag aufgefangen hat, dürfen abends draußen bleiben. Sich abgrenzen und Grenzen zu setzen gehört für Hochsensible zur Selbstfürsorge, weil ihr Nervensystem sonst belastend überläuft und am nächsten Tag keine der zehn Stärken zur Verfügung steht. Wer Stress und Reizüberflutung dauerhaft ignoriert, verliert zuerst die Kreativität und den Überblick. Drittens ein passendes Umfeld. Hochsensible arbeiten gut in Berufen und Teams, in denen Gründlichkeit, Weitblick und Einfühlungsvermögen gefragt sind und in denen sie ihre Arbeit selbst einteilen können. In Umgebungen mit Dauerlärm, ständigen Unterbrechungen und Entscheidungen im Sekundentakt gehen dieselben Stärken unter.

Wie du dein Nervensystem im Alltag entlastest, beschreibe ich im Beitrag Überreiztes Nervensystem beruhigen, wie du deine Energie schützt, im Beitrag Hochsensibilität und Selbstfürsorge. Wie es gelingt, die eigene Resilienz zu stärken, liest du im Beitrag Hochsensibilität und Resilienz. Wer seine Hochsensibilität erkennen und einordnen möchte, findet dafür meinen Test für Erwachsene.

Hochsensibel und überfordert: wenn das Denken zum Fluch wird

Doch gibt es einige HSP, die gerade die Tiefe ihrer Verarbeitungsfähigkeit als Fluch sehen:

  • Emotionen überrollen sie, so dass sie keinen klaren Gedanken fassen können.
  • Sie sind so auf Gefahr fokussiert, dass sie immer in „Habachtstellung“ sind. Es entwickeln sich starke Ängste, die sogar in Panikattacken enden können.
  • Gedanken kreisen, werden immer wieder durchgekaut und kommen zu keinem Ergebnis.
  • Entscheidungen können nur sehr schwer getroffen werden, weil die abschließende Beurteilung der Körperresonanz nicht stattfindet.
  • Sie können nicht entspannen oder erholsam schlafen, weil ihr Hirn die ganze Zeit rattert.

Der Ursprung dafür liegt jedoch selten in der Hochsensibilität selbst. Es ist eher ein Hinweis auf viel zu viel Stress, eine fehlende Fähigkeit der Selbstregulation oder eine Störung des Bindungs- oder Nervensystems. Wie du da Abhilfe schaffen kannst, erfährst du in meinen Seminaren und Ausbildungen.

Stärken und Schattenseiten hängen an derselben Wurzel, der tieferen Reizverarbeitung. Jede Schattenseite ist die Kehrseite eines Potenzials, und die Potenziale überwiegen, sobald die Bedingungen passen. Die zehn Schattenseiten, die zu diesen zehn Stärken gehören, beschreibe ich im Beitrag Schattenseiten der Hochsensibilität. Wenn du deine Hochsensibilität verstehen möchtest und wissen willst, wie sich beides im Leben auswirkt, liest du weiter auf meiner Seite Hochsensibilität: Was sie mit deinem Leben macht.

So wie du denkst, gründlich, vernetzt und mit Gefühl, ist es genau richtig. Deine Stärken dürfen ihr eigenes Tempo haben.

Häufige Fragen zu den Stärken von Hochsensiblen

Welche Stärken haben Menschen mit Hochsensibilität?

Aus der tiefen Verarbeitung von Informationen ergeben sich zehn Stärken: Reflexionsfähigkeit, ökologisches Bewusstsein, Werteorientierung, Ressourcenorientierung, vorausschauendes Denken, Gefühlsintensität, Empathie, ein Blick für Fehler im System, Kreativität sowie Überblick und Fokussierung. Dazu kommen aus den anderen Merkmalen der Hochsensibilität die feine Wahrnehmung von Details und Stimmungen und eine ausgeprägte Wertschätzung von Kunst, Natur und Ästhetik.

Welche positiven Eigenschaften und Charaktereigenschaften haben Hochsensible?

Typische Charaktereigenschaften hochsensibler Menschen sind Gewissenhaftigkeit, Gerechtigkeitssinn, Einfühlungsvermögen, Gründlichkeit und Loyalität. Jede dieser Eigenschaften zeigt sich besonders in zwischenmenschlichen Beziehungen. Viele Hochsensible sind gute Zuhörer, verlässliche Planer und aufmerksame Beobachter. Diese Eigenschaften folgen aus der Art, wie das hochsensible Nervensystem Reize verarbeitet. Bei hochsensiblen Kindern zeigen sie sich oft schon im Kindergartenalter.

Welche Vorteile hat Hochsensibilität?

Weil sie Reize intensiver wahrnehmen und verarbeiten, bemerken hochsensible Menschen Details, die Stimmung in einem Raum und Veränderungen früher als andere, denken Entscheidungen gründlicher durch und erkennen Risiken und Fehler, bevor sie teuer werden. In Beziehungen sind sie aufmerksame Gesprächspartner, im Beruf gewissenhafte und kreative Mitarbeiter. Nach der Forschung von Michael Pluess und Jay Belsky gilt außerdem: Sensible Menschen reagieren stärker auf gute Bedingungen und profitieren mehr als andere von Unterstützung, Ruhe und einem wohlwollenden Umfeld.

Was tut hochsensiblen Menschen gut?

Zeit für Entscheidungen, regelmäßige Erholung ohne Reize, ein Umfeld mit wenig Lärm und Unterbrechungen, Menschen, die ihre Wahrnehmung ernst nehmen, und Aufgaben, bei denen Gründlichkeit zählt. Dazu kommt das Wissen um die eigene Hochsensibilität: Ein Mensch, der weiß, warum er länger nachdenkt, hört auf, sich dafür zu entschuldigen.

Was sind gute Berufe für Hochsensible?

Berufe, in denen Gründlichkeit, Weitblick, Empathie und Kreativität gefragt sind und in denen man seine Arbeit weitgehend selbst einteilen kann: beratende, pflegende, therapeutische, gestaltende, prüfende und planende Tätigkeiten. Entscheidend ist weniger die Branche als die Arbeitsbedingungen. Ein hochsensibler Mensch kann in fast jedem Beruf gut arbeiten, wenn Lärm, Zeitdruck und Unterbrechungen begrenzt sind. Eine ausführliche Übersicht findest du im Beitrag Berufe für Hochsensible.

Sind hochsensible Menschen intelligenter als andere?

Hochsensibilität und Intelligenz sind zwei verschiedene Merkmale. Hochsensible denken gründlicher und vernetzter; das beschreibt die Tiefe der Verarbeitung und sagt über den Intelligenzquotienten wenig aus. Weil ihre Antworten oft durchdachter wirken, werden sie manchmal für intelligenter gehalten; weil sie länger brauchen, manchmal für langsamer. Beides trifft den Punkt nicht. Ob ein Mensch hochsensibel ist, sagt wenig über seine Intelligenz aus.

Ist Hochsensibilität eine Schwäche oder eine Stärke?

Hochsensibilität ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal; rund 15 bis 20 Prozent aller Menschen sind hochsensibel. Es bringt Stärken und Schattenseiten mit, die an derselben Wurzel hängen, der tieferen Reizverarbeitung. Welche Seite überwiegt, hängt davon ab, wie gut ein Mensch seine Veranlagung kennt und wie sehr sein Nervensystem im Alltag belastet ist.

Wie kann ich meine Hochsensibilität als Stärke nutzen?

Indem du die Bedingungen schaffst, unter denen die tiefe Verarbeitung funktioniert: dir Zeit für Entscheidungen nimmst, Erholung fest einplanst, Reize reduzierst und Aufgaben suchst, bei denen Gründlichkeit und Einfühlungsvermögen zählen. Viele meiner Kunden erleben den größten Unterschied, wenn sie aufhören, sich für ihr Tempo zu entschuldigen, und anfangen, ihre Wahrnehmung als Information zu behandeln.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Aron, E. N. (1996): The Highly Sensitive Person. Broadway Books, New York. Deutsch: Sind Sie hochsensibel?
  • Aron, E. N. und Aron, A. (1997): Sensory-processing sensitivity and its relation to introversion and emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73, 345 bis 368.
  • Jagiellowicz, J. und andere (2011): The trait of sensory processing sensitivity and neural responses to changes in visual scenes. Social Cognitive and Affective Neuroscience, 6, 38 bis 47.
  • Acevedo, B. P. und andere (2014): The highly sensitive brain: an fMRI study of sensory processing sensitivity and response to others‘ emotions. Brain and Behavior, 4, 580 bis 594.
  • Wolf, M., van Doorn, G. S. und Weissing, F. J. (2008): Evolutionary emergence of responsive and unresponsive personalities. Proceedings of the National Academy of Sciences, 105, 15825 bis 15830.
  • Pluess, M. und Belsky, J. (2013): Vantage sensitivity: individual differences in response to positive experiences. Psychological Bulletin, 139, 901 bis 916.
  • Lionetti, F. und andere (2018): Dandelions, tulips and orchids: evidence for the existence of low-sensitive, medium-sensitive and high-sensitive individuals. Translational Psychiatry, 8, 24.

Über die Autorin

Sandra Quedenbaum, Coach für Hochsensible

Sandra Quedenbaum arbeitet seit über zwanzig Jahren mit hochsensiblen Menschen und bildet seit fast 20 Jahren Coaches aus. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, ausgebildete Lehrtrainerin, selbst hochsensibel und begleitet ihre Kunden im Einzelcoaching, in Online-Kursen und in der Ausbildung zum HSP-Coach. Ihr Ansatz ist körperorientiert und traumasensibel.

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