Inhaltsverzeichnis
Ein Empfang nach einem Seminar. Um dich herum stehen kleine Grüppchen mit Sektgläsern, jemand spricht über die Anreise, jemand über das Wetter, ein anderer über das Buffet. Du stehst mit deinem Glas dabei, hörst das Klirren, die vielen Stimmen, spürst, wer gerade angespannt ist, und suchst verzweifelt nach einem Satz, der nicht belanglos klingt. Nach zwanzig Minuten bist du erschöpft, obwohl eigentlich nichts passiert ist.
Die meisten hochsensiblen Menschen stehen mit Smalltalk auf Kriegsfuß. Viele HSP, das steht für hochsensible Personen, empfinden Smalltalk als zu oberflächlich oder sie wissen nicht, was sie sagen sollen. Extrovertierten hochsensiblen Personen fällt der Smalltalk meist leichter. Er langweilt sie aber oft schnell, und bei einigen führt das bis zu körperlichem Unwohlsein.
Ich lade dich ein, dir anzuschauen, woran das liegt und wie du Smalltalk so gestaltest, dass er zu dir passt. Schauen wir uns das der Reihe nach an.
Keine Lust zu lesen? Hier kannst du dir den Beitrag als Video anschauen.
Kurz gesagt: Smalltalk für Hochsensible
Smalltalk ist die Starthilfe für die Kontaktaufnahme: Menschen prüfen darin, ob sie sich miteinander sicher fühlen. Hochsensiblen Menschen fällt Smalltalk oft schwer, weil sie Eindrücke tief verarbeiten, Gespräche lieben, die sie innerlich berühren, und in lauten Situationen schnell überreizt sind. Oberflächliche, faktenreiche Gespräche geben ihnen wenig Halt und kosten viel Energie. Gleichzeitig bringen sie wichtige Fähigkeiten mit: Sie lesen Körpersprache und Stimmungen sehr schnell und schaffen leicht eine angenehme Atmosphäre. Was hilft: offene Fragen, die auf das Gefühl zielen, positive Themen, ein paar vorbereitete Erlebnisse, ein freundlicher Gesprächsausstieg und Pausen, bevor der Akku leer ist.
Was ist Smalltalk überhaupt?
Smalltalk, auch Small Talk geschrieben, ist die Starthilfe für die Kontaktaufnahme. Er ist vergleichbar mit dem ersten Beschnuppern bei Tieren. Wie freundlich ist jemand, gibt es Gemeinsamkeiten, wie ist der generelle erste Eindruck, fühle ich mich mit dieser Person sicher? Er kann dazu dienen, sich die Zeit zu vertreiben (zum Beispiel im Bus) oder, wenn die Gesprächsatmosphäre stimmt, die Grundlage einer tieferen Unterhaltung sein.
Um die Sicherheit zu testen, unterhalten wir uns erst einmal oberflächlich: das Wetter, das Essen, der Anfahrtsweg.
Smalltalk ist ein Test, ob es passt
Der erste Kontakt ist häufig auch mit Unsicherheit verbunden. Der gemeinsame Austausch hilft, dass sich die innere, bewusste oder unbewusste Erregung legt.
Stell dir vor, du kommst zu mir ins Coaching. Ich begrüße dich kurz mit deinem Namen, biete dir einen Platz an und frage direkt, wo dein Problem liegt.
Oder: Du kommst zu mir ins Coaching. Ich heiße dich herzlich willkommen, frage dich, wie dein Anfahrtsweg war, biete dir an, dir einen Sitzplatz auszusuchen, und frage dich, ob du etwas trinken möchtest. Vielleicht unterhalten wir uns noch über dein Lieblingsgetränk. Ich frage interessiert, und nach einiger Zeit des Austausches bitte ich dich, mir zu erzählen, was dich zu mir geführt hat.
In welcher Situation würdest du dich wohler fühlen?
Smalltalk hat eine wichtige soziale Funktion. Doch obwohl hochsensible Menschen eine ausgeprägte Sozialkompetenz haben, fällt vielen HSP der Smalltalk schwer. Aber warum ist das so?
Warum fällt vielen Hochsensiblen Smalltalk schwer?
Generell ist Smalltalk den meisten hochsensiblen Personen zu oberflächlich. Hochsensible Menschen haben eine sehr starke Gefühlswelt. Sie lieben tiefere Gespräche, die sie innerlich berühren. Ihr Denken ist eng mit ihrem Gefühl verbunden. Die Forschung von Elaine Aron und Bianca Acevedo zeigt bei hochsensiblen Personen eine stärkere Aktivität in Hirnbereichen, die mit Empathie, Aufmerksamkeit und der tiefen Verarbeitung von Eindrücken zu tun haben. Mit Gefühlen kennen wir uns also aus. Reine Fakten ohne emotionale Bedeutung geben uns dagegen wenig Halt.
Dazu kommt die Umgebung. Smalltalk findet oft dort statt, wo viele Reize gleichzeitig auf uns einwirken: auf Festen, bei After-Work-Partys, beim Networking, in der Kaffeeküche. Weil Hochsensible Reize schwächer filtern und gründlicher verarbeiten, ist ihr Akku in solchen Situationen schneller leer. Mehr dazu findest du im Beitrag Hochsensibilität und Reizüberflutung.
Im Smalltalk geht es zu einem großen Teil um Sicherheit. Und wo fühlen wir uns in der Regel am sichersten? Genau, in bekanntem Terrain.
Oberflächliche Gespräche? Nein danke!
Wenn beim Smalltalk aber eher oberflächlich und faktenreich kommuniziert wird, macht das Hochsensible eher unsicher. Außerdem finden wir solche Gespräche schnell langweilig, weil unsere Fähigkeit, Dinge tief zu verarbeiten, brachliegt. Sie hat kaum etwas zu tun. Und dann wird es für hochsensible Personen schwierig. Die Sprache der reinen Fakten beherrschen wir nicht so gut. Man kann sagen, wir sprechen diese Sprache nicht. Das bewirkt, dass wir häufig nicht wissen, was wir sagen sollen. Wir drucksen herum, erzählen seltsames Zeug oder sagen einfach von vornherein gar nichts.
Aus meiner eigenen Erfahrung kenne ich viele Smalltalk-Situationen, bei denen ich mich, während ich den Satz noch nicht ganz ausgesprochen habe, wundere, was ich hier gerade für einen Mist vom Stapel lasse. Und ich bin mir sicher, es gibt einige, die sich fragen, wie jemand, der so herumstammelt, vor so vielen Leuten Vorträge halten kann. Da bin ich aber in meinem Terrain, weil ich dort Fakten mit Gefühlen verbinden kann.
Wie wird der Smalltalk hochsensiblengerecht?
Und da ist auch für mich der Schlüssel, wie ich Smalltalk besser meistern kann. Ich wechsle durch entsprechende Fragen sehr schnell in das Terrain, in dem ich zu Hause bin. Das hat zur Folge, dass mir auch Menschen, die ich gar nicht kenne, sehr intime Sachen erzählen. Für meine Arbeit ist das ein großes Geschenk, im Alltag kann das auch ziemlich anstrengend werden. Gerade bei Vielrednern.
Es war harte Arbeit, bis ich gelernt habe, mich abzugrenzen, wenn mir die Verkäuferin ihre Lebensgeschichte erzählt und ich gerade nicht so in Rede-Laune war. Und dann bin ich wieder am Anfang und erzähle seltsame Sachen, damit ich keine Nähe erzeuge, die ich in diesem Moment gar nicht möchte. Von dieser Zwickmühle können viele HSP ein Lied singen.
Im Lesen der Körpersprache haben Hochsensible Vorteile
Ist es nicht gewagt, so schnell in die Tiefe zu gehen? Für Hochsensible in der Regel nicht. Durchschnittlich sensible Menschen nutzen die Smalltalk-Phase auch, um durch das Lesen der Körpersprache und der Sprechweise abzuchecken, ob es passt.
Durch ihre feine Wahrnehmung für Mimik und unterschwellige Signale in Stimme und Haltung können sie andere sehr schnell „lesen“. Das bedeutet, dass hochsensible Menschen schon vor den ersten Worten abgeschätzt haben, ob ihnen jemand sympathisch ist.
Das Bauchgefühl prüft beim Smalltalk mit
Hierzu benötigen wir eine wichtige Fähigkeit: Ich muss es ernst nehmen, wenn für mich jemand auf den ersten Eindruck nicht passt. HSP sind in der Regel rücksichtsvoll und freundlich und möchten niemanden vor den Kopf stoßen.
Deshalb fällt es einigen Hochsensiblen häufig schwer, sich abzugrenzen, wenn sie mit jemandem keinen Kontakt haben wollen. Außerdem empfinden sie es als oberflächlich, jemanden nach dem ersten Eindruck zu bewerten, das möchten wir ja für uns auch nicht. Unser Bauchgefühl weiß aber sehr gut, ob jemand passt. Aus solchen Situationen können dann Bekanntschaften, Freundschaften und sogar Beziehungen werden, die uns nicht guttun. Und ich höre Kunden sehr oft im Coaching sagen: „Hätte ich mal von Anfang an auf mein Bauchgefühl gehört!“
Angst vor Ablehnung: wenn alte Erfahrungen dich hindern
Es gibt noch einen weiteren Punkt, der Smalltalk sehr schwer machen kann: das innere Selbstbild. Wenn uns durch Erziehung vermittelt wurde, dass wir falsch sind, nicht wertvoll oder anstrengend, fällt es uns häufig sehr schwer, überhaupt in Kontakt zu treten. Solche Situationen können Emotionen wie Scham und Schuld aktivieren. Wir fühlen uns dann unzulänglich, haben Angst vor Ablehnung und vermeiden den Kontakt, aus Angst, verletzt zu werden.
Unsere Körpersprache drückt dann schon von vornherein aus, dass wir keinen Kontakt möchten. Und hier liegt eine große Tragik. Unsere Angst führt dazu, dass wir gar nicht erst in Kontakt kommen, entweder weil wir sehr distanziert und unnahbar wirken oder weil wir kaum wahrgenommen werden. Unsere fehlende körperliche Präsenz sorgt dafür, dass wir einfach übersehen werden. Wir strahlen das aus, obwohl wir uns so nach Kontakt sehnen. Unsere inneren Stimmen sind dann so aktiv und erzählen uns, warum das jetzt nicht klappen wird, dass uns der Smalltalk, wenn es denn überhaupt dazu kommt, regelrecht lähmt.
In meiner Arbeit zeigt sich: Diese Unsicherheit gehört nicht automatisch zur Hochsensibilität. Sie entsteht vor allem dann, wenn die eigene Sensibilität früher nicht angenommen, ständig infrage gestellt oder beschämt wurde. Wie solche Erfahrungen nachwirken, beschreibe ich im Beitrag Wenn Hochsensible verletzt sind.
Introvertiert, extrovertiert und hochsensibel beim Smalltalk
Nach Elaine Aron sind etwa 70 Prozent der Hochsensiblen introvertiert und etwa 30 Prozent extrovertiert. Introvertierte Hochsensible erleben Smalltalk in großen Runden oft als besonders belastend, weil sie am liebsten mit ein oder zwei Menschen sprechen und ihr Akku sich in Gesellschaft schneller leert. Mehr dazu liest du im Beitrag Introvertiert und hochsensibel.
Extrovertierte Hochsensible kommen leichter ins Gespräch und genießen den Kontakt. Bei ihnen zeigt sich die Überforderung oft erst später, wenn sie nach einem langen Abend völlig erschöpft sind. Was sie beachten sollten, steht im Beitrag Hochsensibel und extrovertiert.
Smalltalk führen lernen: eine Fremdsprache für Hochsensible
Smalltalk ist für viele hochsensible Menschen wie eine Fremdsprache. Aber auch die können wir lernen. Die folgenden zehn Tipps helfen dir dabei, Smalltalk hochsensiblengerecht zu gestalten, leichter Kontakte zu knüpfen und echte Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen, beruflich und privat.
Smalltalk: 10 Tipps für hochsensible Menschen
1. Mach es euch schön
Mache dir bewusst, dass Smalltalk dazu dient, eine angenehme Atmosphäre herzustellen. Und im Atmosphäre-Herstellen sind gerade HSP absolute Profis. Sage dir innerlich, bevor du den Smalltalk beginnst: „Jetzt mache ich es uns mal schön!“
2. Wähle die Stimmung des Themas bewusst
Vermeide negative oder eventuell polarisierende Themen wie Krankheiten, Politik, Sport, Tod, Geld, Religion und Gerüchte. Häufig wird als Smalltalk-Einstieg ein Plausch über den Beruf empfohlen. Viele Menschen sind mit ihrer Arbeit aber unzufrieden, deshalb nimm zur Sicherheit lieber ein anderes Thema. Die Stimmung eines Gesprächsthemas prägt die Gesprächsatmosphäre.
3. Stelle offene Fragen, die auf das Gefühl abzielen
Du kannst das Gespräch in eine stärkere Tiefe lenken, indem du offene, mit Gefühlen besetzte Fragen stellst.
Statt: „Wohin fährst du gern in den Urlaub?“
Lieber: „Was war dein schönstes Urlaubserlebnis?“
Dann kannst du dich ganz auf dein Gegenüber konzentrieren, statt nach der perfekten Antwort zu suchen. Dein Gegenüber wird sehr wahrscheinlich mit Freuden anfangen zu erzählen, und du bist in deinem Element.
4. Eine zugewandte Körperhaltung ermöglicht mehr Gesprächstiefe
Lächle und halte Blickkontakt! Ein Lächeln zeigt deinem Gegenüber, dass keine Gefahr droht, und viele erleben, dass es auch sie selbst entspannt. Eine offene Körperhaltung, die mit den Handflächen nach oben gestikuliert, wirkt zusätzlich einladend auf dein Gegenüber.
5. Nutze Gemeinsamkeiten
Gemeinsamkeiten verbinden und machen es leichter, neue Menschen kennenzulernen. Ort, Umfeld und Anlass sind Themen, die du als Gemeinsamkeit ansprechen kannst: Woher kennst du die Gastgeberin? Wie bist du auf das Seminar gekommen?
6. Wechsle das Thema, wenn Smalltalk gegen deine Werte verstößt
Du findest es langweilig, über das Wetter zu plaudern? Dann wechsle das Thema. Klingt banal. Ich höre immer wieder, dass Leute im Smalltalk stecken bleiben, weil sie denken: „Das Wetter, wie oberflächlich.“ Wenn diese Oberflächlichkeit so gegen dein Wertesystem geht, dass es dich blockiert, wechsle einfach zu einem Thema, das dich interessiert.
Smalltalk ist wie Pingpong spielen. Wenn dir ein Spielsatz nicht gefällt, beginne einen neuen Aufschlag mit einem neuen Thema. Der gelegentliche Themenwechsel hält den Gesprächsfluss lebendig und gehört zur Natur des Smalltalks.
7. Lästern? Nein danke
Einige Menschen nehmen als Smalltalk-Thema Tratsch und Klatsch oder Lästereien. Für die meisten Hochsensiblen ein Gräuel. Wenn dann auch noch so laut gelästert wird, dass das Opfer es hören kann, ist Fremdschämen angesagt. Wenn HSP negativ über andere sprechen, dann in Form eines Austausches und nur mit Menschen, denen sie sehr vertrauen, um sicher zu sein, dass verantwortlich mit der Information umgegangen wird.
Und auch hier gilt: Wenn dein Gegenüber lästert, wechsle einfach das Thema.
8. Wähle gute Smalltalk-Themen für Hochsensible
- schöne Erlebnisse (Konzerte, Ausflüge, Veranstaltungen)
- Essen
- Filme
- Reisen
- Hobbys
- Haustiere
- Musik
Wähle Themen, bei denen du Positives erzählen kannst.
9. Vorbereitung hilft
Vielleicht legst du dir generell schon ein paar Erlebnisse parat. Hier kann das Wetter eine gute Überleitung sein:
„Ich habe solch einen Regenguss schon mal in Spanien erlebt. Ein toller Urlaub …!“
„Letzten Sommer war auch so ein tolles Wetter, als ich auf dem Konzert war von …!“
Natürlich solltest du keine Monologe halten und auch interessiert bei deinem Gegenüber nachfragen, aber das machen Hochsensible normalerweise mit links.
10. Plane deinen Gesprächsausstieg und deine Pausen
Viele Hochsensible bleiben zu lange in einem Gespräch, weil sie niemanden vor den Kopf stoßen möchten. Ein freundlicher Ausstieg ist Teil des Smalltalks: „Ich hole mir noch etwas zu trinken, schön, dass wir uns kennengelernt haben.“ Oder: „Ich möchte noch kurz Hallo zu Anna sagen, wir sehen uns bestimmt später.“
Gönn dir auf Festen und Veranstaltungen kleine Pausen, bevor dein Akku leer ist: ein paar Minuten an der frischen Luft, ein Gang zur Toilette, ein ruhiger Platz am Rand. Wie du deine Energie im Alltag schützt, beschreibe ich im Beitrag Hochsensibilität und Selbstfürsorge.
Checkliste: Smalltalk für Hochsensible auf einen Blick
Die Übersicht fasst typische Smalltalk-Situationen zusammen und zeigt, was hochsensiblen Menschen dabei hilft.
| Situation | Was bei Hochsensiblen passiert | Was hilft |
|---|---|---|
| Gesprächseinstieg mit Fremden | Unsicherheit, der Kopf ist leer | Ort, Anlass oder Gastgeber als Gemeinsamkeit ansprechen |
| Gespräch über Wetter oder Anreise | Langeweile, Gefühl von Oberflächlichkeit | offene Frage nach einem Erlebnis stellen |
| laute Feier oder Networking | viele Reize, der Akku leert sich schnell | ruhigen Platz am Rand suchen, Pausen einplanen |
| Vielredner erzählt seine Lebensgeschichte | schnelle Nähe, schwer abzugrenzen | freundlichen Gesprächsausstieg nutzen |
| Gegenüber lästert | Unbehagen, Fremdschämen | Thema wechseln |
| erster Eindruck passt nicht | Bauchgefühl meldet sich, Wunsch, freundlich zu bleiben | dem Bauchgefühl vertrauen, Kontakt kurz halten |
Du kannst die Gesprächsatmosphäre und das Thema beeinflussen
Smalltalk ist wie ein Appetithäppchen. Und wenn es dir schmeckt, kannst du mit offenen Fragen, positiven Geschichten und einer zugewandten Art die Gesprächsebene schnell vertiefen, so dass du dich ganz in deinem Element fühlst.
Du bringst für gute Gespräche alles mit: ein feines Gespür für dein Gegenüber, echtes Interesse und die Fähigkeit, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich andere wohlfühlen. Probiere beim nächsten Treffen einen einzigen Tipp aus und schau, was passiert.
Weitere Smalltalk-Tipps für hochsensible Menschen hörst du in meiner Podcastfolge 5 Smalltalk Tipps für hochsensible Menschen.
Coaching für Hochsensible
Wenn du dir bei diesem Thema Begleitung wünschst, findest du hier mein Coaching für Hochsensible.
Smalltalk ist eine von vielen Situationen, in denen Hochsensible mehr wahrnehmen als andere. Was das für Beziehungen, Beruf und Alltag insgesamt bedeutet, findest du auf meiner Seite Hochsensibilität: Was sie mit deinem Leben macht.
Wie du deine Hochsensibilität in einer Liebesbeziehung gut lebst, beschreibe ich im Beitrag Hochsensibilität in der Partnerschaft.
Häufige Fragen zu Smalltalk und Hochsensibilität
Warum fällt hochsensiblen Menschen Smalltalk so schwer?
Hochsensible verarbeiten Eindrücke tief und lieben Gespräche, die sie innerlich berühren. Oberflächliche, faktenreiche Gespräche geben ihnen wenig Halt und langweilen sie schnell. Dazu kommt, dass Smalltalk oft in lauten Situationen mit vielen Reizen stattfindet, in denen ihr Akku schneller leer ist.
Ist Smalltalk für Hochsensible oberflächlich?
Smalltalk wirkt oberflächlich, er hat aber eine wichtige soziale Funktion: Menschen prüfen darin, ob sie sich miteinander sicher fühlen. Hochsensible können den Smalltalk mit offenen, gefühlsbezogenen Fragen schnell in die Tiefe lenken, wenn die Atmosphäre stimmt.
Welche Smalltalk-Themen eignen sich für Hochsensible?
Gut eignen sich positive Themen wie schöne Erlebnisse, Reisen, Essen, Filme, Musik, Hobbys und Haustiere. Weniger geeignet sind Krankheiten, Politik, Geld, Religion, Gerüchte und Lästereien, weil sie die Gesprächsatmosphäre schnell belasten.
Wie beende ich ein Smalltalk-Gespräch höflich?
Mit einem freundlichen Satz, der das Gespräch wertschätzt und einen Grund nennt, zum Beispiel: „Ich hole mir noch etwas zu trinken, schön, dass wir uns kennengelernt haben.“ Ein Gesprächsausstieg gehört zum Smalltalk dazu und ist für Hochsensible wichtig, damit sie ihre Energie schützen.
Haben introvertierte Hochsensible mehr Probleme mit Smalltalk?
Oft ja. Introvertierte Hochsensible sprechen am liebsten mit ein oder zwei Menschen und erleben große Runden als anstrengend. Extrovertierten Hochsensiblen fällt der Einstieg leichter, sie merken die Überforderung aber oft erst spät.
Wie pflegen hochsensible Menschen soziale Kontakte?
Die meisten Hochsensiblen pflegen lieber wenige, tiefe Beziehungen als viele lose Kontakte. Sie treffen sich gern in ruhiger Umgebung, zu zweit oder in kleinen Gruppen, und brauchen nach intensiven Begegnungen Zeit für sich.
Kann man Smalltalk lernen?
Ja. Smalltalk ist für viele hochsensible Menschen wie eine Fremdsprache, die sich mit etwas Übung lernen lässt. Hilfreich sind ein paar vorbereitete Erlebnisse, offene Fragen und die bewusste Entscheidung, eine angenehme Atmosphäre herzustellen. Liegt hinter der Unsicherheit eine tiefe Angst vor Ablehnung, kann Coaching helfen.
Quellen und weiterführende Literatur
- Aron, E. N. (1996): The Highly Sensitive Person. Broadway Books, New York. Deutsche Ausgabe: Sind Sie hochsensibel? Wie Sie Ihre Empfindsamkeit erkennen, verstehen und nutzen. mvg Verlag.
- Aron, E. N. und Aron, A. (1997): Sensory-processing sensitivity and its relation to introversion and emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73(2), 345 bis 368.
- Acevedo, B. P. u. a. (2014): The highly sensitive brain: an fMRI study of sensory processing sensitivity and response to others‘ emotions. Brain and Behavior, 4(4), 580 bis 594.
Über die Autorin

Sandra Quedenbaum arbeitet seit über zwanzig Jahren mit hochsensiblen Menschen und bildet seit fast 20 Jahren Coaches aus. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, ausgebildete Lehrtrainerin, selbst hochsensibel und begleitet ihre Kunden im Einzelcoaching, in Online-Kursen und in der Ausbildung zum HSP-Coach. Ihr Ansatz ist körperorientiert und traumasensibel.