Hochsensible Menschen und Smalltalk

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Die meisten hochsensiblen Menschen stehen mit Smalltalk auf Kriegsfuß.

Woran liegt das, und wie kann man den Smalltalk hochsensiblengerecht gestalten?

Die Antworten bekommst du in diesem Beitrag.

Viele HSP, das steht für hochsensible Personen, empfinden Smalltalk als zu oberflächlich oder sie wissen nicht, was sie sagen sollen. Extrovertierten, hochsensiblen Personen fällt der Smalltalk meist leichter. Jedoch beginnt er sie oft, schnell zu langweilen, was sich bei einigen bis ins körperliche Unwohlsein auswirken kann.

Was ist Smalltalk überhaupt?

Smalltalk ist die Starthilfe für die Kontaktaufnahme. Er ist vergleichbar mit dem ersten Beschnuppern bei Tieren. Wie freundlich ist jemand, gibt es Gemeinsamkeiten, wie ist der generelle erste Eindruck, fühle ich mich mit dieser Person sicher? Er kann dazu dienen, sich die Zeit zu vertreiben (z.B. im Bus) oder, wenn die Gesprächsatmosphäre stimmt, die Grundlage einer tieferen Unterhaltung sein.

Um die Sicherheit zu testen, unterhalten wir uns erstmal oberflächlich. Das Wetter, Essen, Ankunftsweg usw.

Smalltalk ist ein Test, ob es passt

Der Erste Kontakt ist häufig auch mit Unsicherheit verbunden. Der gemeinsame Austausch hilft, dass sich die innere, bewusste oder unbewusste Erregung legt.

Stelle dir vor, du kommst zu mir ins Coaching, ich begrüße dich kurz mit deinem Namen, biete dir einen Platz an und frage direkt, wo dein Problem liegt.

Oder du kommst zu mir ins Coaching, ich heiße dich herzlich willkommen, frage dich wie dein Anfahrtsweg war, biete dir an, dir einen Sitzplatz auszusuchen und frage dich, ob du etwas trinken möchtest. Vielleicht unterhalten wir uns noch über dein Lieblingsgetränk. Ich frage interessiert und nach einiger Zeit des Austausches bitte ich dich, mir zu erzählen, was dich zu mir geführt hat.

In welcher Situation würdest du dich wohler fühlen?

Smalltalk hat eine wichtige soziale Funktion und, obwohl hochsensible Menschen eine ausgeprägte Sozialkompetenz haben, fällt vielen HSP der Smalltalk schwer. Aber warum ist das so?

Warum fällt vielen Hochsensiblen Smalltalk schwer?

Generell ist Smalltalk den meisten hochsensiblen Personen zu oberflächlich. Hochsensible Menschen haben eine sehr starke Gefühlswelt. Sie lieben Gespräche, die Sie innerlich berühren. Bei Hochsensiblen ist die rechte Gehirnhälfte aktiver. Ihr Gefühlszentrum ist dadurch schneller aktiviert. Das heißt, mit Gefühlen kennen wir uns aus. Fakten werden eher der linken Gehirnhälfte zugeordnet. Hier sind Hochsensible meist nicht so zu Hause. Im Smalltalk geht es zu einem großen Teil um Sicherheit. Und wo fühlen wir uns in der Regel am sichersten? Genau, in bekanntem Terrain.

Oberflächlichkeit – nein danke!

Wenn beim Smalltalk aber eher oberflächlich, faktenreich kommuniziert wird, macht das Hochsensible eher unsicher. Außerdem findet unsere rechte Gehirnhälfte solche Gespräche total langweilig, weil ihr ganzes Potenzial brachliegt. Sie hat kaum was zu tun. 

Und dann wird es für hochsensible Personen schwierig. Die linkshemisphärische Sprache beherrschen wir nicht so. Man kann sagen, wir sprechen die Sprache nicht. Das bewirkt, das wir häufig nicht wissen, was wir sagen sollen. Wir drucksen rum, erzählen seltsames Zeug oder sagen einfach von vornherein gar nichts. Es gibt viele Smalltalk-Situationen, bei denen ich mich, während ich den Satz noch nicht ganz ausgesprochen habe, wundere, was ich hier gerade für einen Mist vom Stapel lasse. Und ich bin mir sicher, es gibt einige, die sich fragen, wie jemand, der so rumstammelt, vor so vielen Leuten Vorträge halten kann.

Da bin ich aber in meinem Terrain, weil ich dort Fakten mit Gefühlen verbinden kann.

Wie wird der Smalltalk hochsensiblengerecht?

Und da ist auch für mich der Schlüssel, wie ich Smalltalk besser meistern kann. Ich wechsele durch entsprechende Fragen sehr schnell in das Terrain, in dem ich zu Hause bin. Was zur Folge hat, dass mir auch Menschen, die ich gar nicht kenne, sehr intime Sachen erzählen. Für meine Arbeit ein großes Geschenk, für den Alltag kann das auch ziemlich anstrengend werden. Gerade bei Vielrednern. Es war harte Arbeit, bis ich gelernt habe mich abzugrenzen, wenn mir die Verkäuferin ihre Lebensgeschichte erzählt und ich gerade nicht so in Rede-Laune war. Und dann bin ich wieder am Anfang und erzähle seltsame Sachen, damit ich nicht eine Nähe generiere, die ich in diesem Moment gar nicht möchte. Von dieser Zwickmühle können viele HSP ein Lied singen.

Im Lesen der Körpersprache haben Hochsensible Vorteile

Ist es nicht gewagt, so schnell in die Tiefe zu gehen? Für Hochsensible in der Regel nicht. Durchschnittlich sensible Menschen nutzen die Smalltalk Phase auch, um durch das Lesen der Körpersprache und der Sprechweise abzuchecken, ob es passt.

Durch die aktivere rechte Gehirnhälfte können hochsensible Menschen sehr schnell Menschen „lesen“. Wir haben also schon vor den ersten Worten abgeschätzt, ob uns jemand sympathisch ist.

Das Bauchgefühl prüft beim Smalltalk mit

Hierzu benötigen wir eine wichtige Fähigkeit. Ich muss ernst nehmen, wenn für mich jemand auf den ersten Eindruck nicht passt. HSP sind in der Regel rücksichtsvoll und freundlich und möchten niemanden vor den Kopf stoßen.

Deshalb fällt es einigen Hochsensiblen häufig schwer, sich abzugrenzen, wenn sie mit jemandem keinen Kontakt haben wollen. Außerdem empfinden sie es als oberflächlich, jemanden nach dem ersten Eindruck zu beurteilen, das möchten wir ja für uns auch nicht. Unser Bauchgefühl weiß aber sehr gut, ob jemand passt. Aus solchen Situationen können dann Bekanntschaften, Freundschaften und sogar Beziehungen werden, die uns nicht guttun. Und ich höre sehr oft im Coaching das Kunden sagen: „Hätte ich mal am Anfang auf mein Bauchgefühl gehört!“

Wenn alte Erfahrungen dich hindern

Es gibt noch einen weiteren Punkt, der Smalltalk sehr schwer machen kann. Das innere Selbstbild. Wenn uns durch Erziehung vermittelt wurde, dass ich falsch bin, nicht wertvoll oder anstrengend, fällt es uns häufig sehr schwer, überhaupt in Kontakt zu treten. Solche Situationen können dann Emotionen wie Scham und Schuld aktivieren. Wir fühlen uns dann unzulänglich, haben Angst vor Ablehnung und vermeiden dann den Kontakt, aus Angst verletzt zu werden. Unsere Körpersprache drückt schon von vornherein aus, dass wir keinen Kontakt möchten. Und hier liegt eine große Tragik. Unsere Angst führt dazu, dass wir gar nicht erst in Kontakt kommen. Entweder, weil wir dadurch sehr distanziert und unnahbar wirken, oder kaum wahrgenommen werden. Unsere fehlende körperliche Präsenz sorgt dafür, dass wir einfach übersehen werden. Wir strahlen das aus, obwohl wir uns so nach Kontakt sehnen. Unsere inneren Stimmen sind dann so aktiv und erzählen uns, warum das jetzt nicht klappen wird, dass uns der Smalltalk, wenn es denn überhaupt dazu kommt, regelrecht lähmt.

Smalltalk als Fremdsprache

Smalltalk ist für viele hochsensible Menschen wie eine Fremdsprache, aber auch die können wir lernen.

Die folgenden Tipps helfen dir dabei, Smalltalk hochsensiblengerecht zu gestalten.

Mache dir bewusst, dass Smalltalk dazu dient, eine angenehme Atmosphäre herzustellen. Und im Atmosphäre-Herstellen sind gerade HSP absolute Profis. Sage dir innerlich, bevor du den Smalltalk beginnst: „Jetzt mache ich es uns mal schön!“

Vermeide negative oder eventuell polarisierende Themen wie Krankheiten, Politik, Sport, Tot, Geld, Religion und Gerüchte. Häufig wird als Smalltalk-Einstieg ein Plausch über den Beruf empfohlen. Über 80 % der Menschen mögen ihren Beruf nicht oder sind damit sehr unzufrieden. Deswegen zur Sicherheit ein anderes Thema nehmen. Die Stimmung eines Gesprächsthemas prägt die Gespräch Atmosphäre.

Stelle offene Fragen, die auf das Gefühl abzielen

Du kannst das Gespräch in eine stärkere Tiefe lenken, indem du offene, mit Gefühlen besetzte Fragen stellst.

Statt: Wohin fährst du gerne in den Urlaub?

Lieber: „Was war dein schönstes Urlaubserlebnis?

Dein Gegenüber wird sehr wahrscheinlich mit Freuden anfangen zu erzählen und deine rechte Gehirnhälfte kommt voll auf ihre kosten.

Eine zugewandte Körperhaltung ermöglicht mehr Gesprächstiefe

Lächele und halte Blickkontakt! Ein Lächeln zeigt deinem Gegenüber, das keine Gefahr droht. Außerdem sorgt es dafür, dass sich deine eigenen Stresshormone abbauen. Eine offene Körperhaltung, die mit den Handflächen nach oben gestikuliert, wirkt zusätzlich einladend auf dein Gegenüber.

Gemeinsamkeiten verbinden. Ort, Umfeld und Anlass sind Themen, die du als Gemeinsamkeit ansprechen kannst.

Wenn Smalltalk gegen die Werte verstößt

Du findest es langweilig, über das Wetter zu plauschen, dann wechsle das Thema. Klingt banal. Ich höre immer wieder, dass Leute im Smalltalk stecken bleiben, weil sie denken: „Das Wetter, wie oberflächlich“. Wenn diese Oberflächlichkeit so gegen dein Wertesystem geht, dass es dich blockiert, wechsle einfach zu einem Thema, dass dich interessiert. Smalltalk ist wie Pingpong spielen. Wenn dir ein Spielsatz nicht gefällt, beginne einen neuen Aufschlag mit einem neuen Thema. Der gelegentliche Themenwechsel gehört zur Natur des Smalltalks.

Lästern, nein danke

Einige Menschen nehmen als Smalltalk-Thema Tratsch und Klatsch oder Lästereien. Für die meisten Hochsensiblen ein Gräuel. Wenn dann auch noch so laut gelästert wird, dass das Opfer es hören kann, ist Fremdschämen angesagt. Wenn HSP negativ über andere sprechen, dann in Form eines Austausches und das nur mit Menschen, denen Sie sehr vertrauen, um sicher zu sein, dass verantwortlich mit der Information umgegangen wird.

Und auch hier gilt. Wenn dein Gegenüber lästert, wechsele einfach das Thema.

Was sind gute Smalltalk Themen für Hochsensible

  • Schöne Erlebnisse (Konzerte, Ausflüge, Veranstaltungen)
  • Essen
  • Filme
  • Reisen
  • Hobbys
  • Haustiere
  • Musik

Wähle Themen, bei denen du positives erzählen kannst.

Vorbereitung hilft

Vielleicht legst du dir generell schon ein paar Erlebnisse parat.

Hier kann das Wetter eine gute Überleitung sein.

„Ich habe solch einen Regenguss schon mal in Spanien erlebt. Ein toller Urlaub…!“

Letzten Sommer war auch so ein tolles Wetter, als ich auf dem Konzert von …!“

Natürlich solltest du keine Monologe halten und auch interessiert bei deinem Gegenüber nachfragen, aber das machen Hochsensible normalerweise mit links.

Du kannst die Gesprächsatmosphäre und auch das Thema beeinflussen

Smalltalk ist wie ein Appetithäppchen. Und wenn es dir schmeckt, kannst du mit offenen Fragen, positiven Geschichten und einer zugewandten Art die Gesprächsebene schnell vertiefen, so dass deine rechte Gehirnhälfte Party macht vor Freude.

Ausbildungen und Seminare zur Hochsensibilität

Seminar Hochsensibilität HSP
NLP Ausbildung für Hochsensible
Ausbildung zum Coach für Hochsensible

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