Was hochsensible Menschen nicht mögen: 10 Dinge, die HSP stressen

Inhaltsverzeichnis

Du bist gerade in deinem Element, genießt die Ruhe oder bist vertieft in etwas, das dir guttut, und plötzlich klingelt es an der Tür. Ein Spontanbesuch. Für viele mag das eine nette Überraschung sein, ein Zeichen von Verbundenheit. Für die meisten hochsensiblen Menschen kann genau das eine immense Herausforderung darstellen. Und der Spontanbesuch ist nur eines von mehreren Dingen, die Hochsensible nicht mögen.

In diesem Beitrag erfährst du, welche zehn Dinge hochsensible Menschen besonders belasten, warum das so ist und wie ein guter Umgang aussieht, für Hochsensible selbst und für die Menschen um sie herum. Ich lade dich ein, beim Lesen zu schauen, welche Punkte du von dir oder von einem Menschen in deinem Umfeld kennst. Schauen wir uns das der Reihe nach an.

Kurz gesagt: Was hochsensible Menschen nicht mögen

Hochsensibilität ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das die Psychologin Elaine Aron als Sensory Processing Sensitivity beschrieben hat. Hochsensible Menschen nehmen Reize schneller wahr und verarbeiten Reize tiefer. Deshalb mögen viele Hochsensible keine Spontanbesuche und Überraschungen, keinen Lärm, kein grelles Licht, keine starken Gerüche und Menschenmengen, keinen Zeitdruck, keine Kritik vor anderen, keinen Streit, keinen oberflächlichen Smalltalk, keine Ungerechtigkeit, keine Gewalt in den Nachrichten und keine Sätze wie „Stell dich nicht so an“. Wie stark jemand darauf reagiert, ist sehr unterschiedlich. Was hilft, sind Vorankündigung, Rückzugsmöglichkeiten, klare Grenzen und ein Umfeld, das die Sensibilität ernst nimmt.

Was Hochsensible hassen: der Beitrag als Podcast und Video

Den Beitrag „Was Hochsensible hassen“ gibt es auch als Folge meines Podcasts und als YouTube-Video.

Podcast-Folge: Was Hochsensible hassen

Hier findest du die Podcast-Folge. Einfach auf den Link klicken und direkt loshören.

Warum mögen hochsensible Menschen manche Dinge nicht?

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das von der Psychologin Elaine Aron geprägt wurde und beschreibt, dass hochsensible Menschen äußere Reize intensiver wahrnehmen und verarbeiten. Aron spricht im Englischen von der Highly Sensitive Person. Die Forschung fasst das heute unter dem Begriff Environmental Sensitivity zusammen: Menschen reagieren unterschiedlich stark auf ihre Umgebung, und etwa 15 bis 20 Prozent reagieren besonders stark.

Stell dir vor, du hast feine Antennen, die ständig auf Empfang sind und jede noch so kleine Information aufnehmen. Hochsensible haben genau solche feinen Antennen. Sie merken sofort, wenn sich die Stimmung in einem Raum verändert, und sie nehmen Umweltreize wie Geräusche, Licht und Gerüche schneller wahr als Nicht-hochsensible oder weniger sensible Menschen. Was andere Menschen verarbeiten, ohne es zu bemerken, landet bei ihnen im Bewusstsein, und jeder dieser Reize kostet Energie. Aron beschreibt dazu eine ausgeprägte Verhaltenshemmung: Hochsensible halten in neuen Situationen erst einmal inne und prüfen, bevor sie handeln. Alles, was sie aus dieser Pause reißt, empfinden sie deshalb als besonders anstrengend.

Wie stark das im Alltag wiegt, ist sehr unterschiedlich. Vielen Menschen ist ihre Hochsensibilität nicht bewusst, und sie wundern sich, warum sie nach einem Fest erschöpft sind. Andere haben ihre Hochsensibilität erkannt und gelernt, gut für sich zu sorgen. In meiner Arbeit zeigt sich außerdem: Wer schon im Kindesalter mit seiner Sensibilität angenommen wurde, kommt mit vielen der folgenden Punkte deutlich leichter zurecht als jemand, dessen Empfindungen immer wieder hinterfragt wurden. Bei hochsensiblen Kindern legt der Umgang im Elternhaus hier oft den Grundstein.

10 Dinge, die hochsensible Menschen nicht mögen

Die folgende Liste beschreibt, was sensible Menschen und besonders Hochsensible belastet. Nicht jeder hochsensible Mensch empfindet alle zehn Punkte gleich stark, und manche mögen einzelne Dinge sogar gern, solange sie dosiert sind.

1. Spontanbesuche und Überraschungen

Wenn plötzlich ein Spontanbesuch vor der Tür steht, bedeutet das eine sofortige und oft unvorbereitete Reizüberflutung. Die gesamte Stimmung im Raum ändert sich, und die hochsensible Person muss sich blitzschnell auf eine neue soziale Situation einstellen. Hochsensible mögen durchaus Besuch, viele HSP mögen es aber nicht, aus dem Nichts gerissen zu werden, denn ihr inneres System braucht Zeit zum Umschalten. Weil der Spontanbesuch für so viele Hochsensible das Paradebeispiel ist, beschreibe ich ihn weiter unten ausführlich.

2. Lärm und laute Geräusche

Hochsensible Menschen zum Beispiel hören Baustellenlärm, einen laufenden Fernseher im Hintergrund, lautes Geschrei auf dem Spielplatz oder das Klappern im Großraumbüro viel deutlicher als andere. Laute Geräusche gehören für viele Hochsensible zu den stärksten Stressauslösern. Das hochsensible Gehör filtert weniger heraus, und jedes Geräusch landet im Bewusstsein. Manche empfinden bestimmte Töne sogar wie körperlichen Schmerz. Wie hochsensible Menschen hören und was bei Geräuschempfindlichkeit hilft, beschreibe ich im Beitrag Geräuschempfindlichkeit bei Hochsensibilität.

3. Grelles Licht, starke Gerüche und Menschenansammlungen

Neonlicht im Supermarkt, ein schweres Parfüm im Aufzug, ein volles Einkaufszentrum am Samstag: Hier kommen mehrere Sinneskanäle gleichzeitig unter Druck. Auf sensorische Reize reagieren Hochsensible stärker als andere, und Menschenansammlungen bündeln gleich viele davon. Mehr dazu liest du in den Beiträgen Visuelle Hypersensibilität und Geruchsempfindlichkeit bei Hochsensibilität. Was passiert, wenn alles zusammenkommt, erkläre ich im Beitrag Hochsensibilität und Reizüberflutung.

4. Zeitdruck und Hektik

Hochsensible denken gründlich und wägen viele Faktoren ab. Unter Zeitdruck fehlt genau dafür der Raum, und das Stressniveau ist sofort erhöht. Sätze wie „Das muss bis heute Mittag fertig sein“ oder „Entscheide dich jetzt“ setzen das Nervensystem sofort unter Stress. Viele Hochsensible arbeiten hervorragend, wenn sie ihr Tempo selbst bestimmen können. Welche Arbeitsbedingungen gut passen, liest du im Beitrag Berufe für Hochsensible.

5. Kritik vor anderen und harte Worte

Ein kritischer Satz vor versammelter Runde trifft Hochsensible tief. Sie spüren jede Nuance im Tonfall und verarbeiten die Situation noch Stunden später. Konstruktive Rückmeldung unter vier Augen nehmen dieselben Menschen dagegen oft sehr gut an. Wie Kritik mit der Vorgeschichte eines Menschen zusammenhängt, beschreibe ich im Beitrag Schattenseiten der Hochsensibilität.

6. Streit und schlechte Stimmung

Für hochsensible Menschen ist Harmonie eine grundlegende Voraussetzung für ihr Wohlbefinden. Hochsensible fühlen Spannungen, bevor ein Wort gefallen ist, und ein Streit im Nebenzimmer kann sie genauso aufwühlen wie ein Streit mit ihnen selbst. Viele Hochsensible gelten deshalb als harmoniebedürftig. Warum Hochsensible die Gefühle anderer so stark spüren, erkläre ich im Beitrag Gefühle anderer spüren.

7. Oberflächlicher Smalltalk

Gespräche über das Wetter oder den Verkehr empfinden viele Hochsensible als anstrengend, weil sie nach Tiefe und Stimmigkeit suchen. Sie sind gute Zuhörer und führen gern lange, ehrliche Gespräche, oft mit wenigen Menschen. Wie Hochsensible entspannter durch einen Empfang oder eine Feier kommen, beschreibe ich im Beitrag Hochsensible Menschen und Smalltalk.

8. Ungerechtigkeit und Rücksichtslosigkeit

Hochsensible haben meist einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Weil sie so feinfühlig sind, trifft es sie persönlich, wenn jemand in der Schlange vordrängelt, ein Kollege bloßgestellt wird oder Tiere schlecht behandelt werden. Diese Werteorientierung ist eine ihrer großen Stärken, die ich im Beitrag 10 Stärken der Hochsensibilität beschreibe.

9. Gewalt und schlimme Nachrichten

Aufgrund ihrer Sensibilität meiden viele Hochsensible Horrorfilme, brutale Serien und Nachrichtensendungen mit drastischen Bildern. Die Bilder wirken lange nach, manchmal bis in den Schlaf. Das Leid in der Welt fühlt sich für sie oft an, als wäre es ihr eigenes. Wie du damit achtsam umgehst, beschreibe ich im Beitrag Hochsensible und Weltschmerz.

10. Sätze wie „Stell dich nicht so an“

„Du bist zu empfindlich“, „Das ist doch nicht so schlimm“, „Sei nicht so kompliziert“: Diese Sätze tun Hochsensiblen besonders weh, weil viele sie seit der Kindheit kennen. Hochsensible Kinder hören sie oft täglich. Sie sprechen ihnen die eigene Wahrnehmung ab. Was passiert, wenn Hochsensible ihre Empfindungen deshalb dauerhaft verbergen, habe ich im Beitrag Hochsensibilität unterdrücken beschrieben.

Was HSP nicht mögen: sensorische Reize und mehr auf einen Blick

Was Hochsensible nicht mögenWarum es belastetWas hilft
SpontanbesucheKeine Zeit zum UmschaltenKurze Nachricht vorher, klare Zeitgrenze
LärmGeräusche werden kaum gefiltertGehörschutz, ruhige Rückzugsorte
Licht, Gerüche, MenschenmengenMehrere Sinne gleichzeitig unter DruckRuhige Zeiten wählen, Pausen einplanen
ZeitdruckKein Raum für gründliches DenkenPuffer einbauen, Entscheidungen vertagen
Kritik vor anderenJede Nuance wird verarbeitetRückmeldung unter vier Augen
StreitSpannungen werden körperlich gespürtRuhiger Rahmen für Konflikte
SmalltalkWunsch nach Tiefe und StimmigkeitOffene Fragen, Gespräche zu zweit
UngerechtigkeitStarker GerechtigkeitssinnWerte aussprechen, Engagement dosieren
Gewalt und schlimme NachrichtenBilder wirken lange nachNachrichten bewusst dosieren
„Stell dich nicht so an“Die eigene Wahrnehmung wird abgewertetWahrnehmung ernst nehmen, nachfragen

Stimmung und Alleinzeit: was ein hochsensibler Mensch braucht

Nehmen wir noch einmal den Spontanbesuch. Er zeigt besonders deutlich, was in hochsensiblen Menschen vorgeht. Jeder Hochsensible weiß, wie es sich anfühlt, wenn es unerwartet klingelt. Deshalb schauen wir ihn uns genauer an.

Emotionale Reaktionen und innere Konflikte, wenn du hochsensibel bist

Die emotionalen Reaktionen auf einen unerwarteten Spontanbesuch können bei Hochsensiblen vielfältig sein. Oftmals entsteht ein innerer Konflikt zwischen dem Wunsch, gastfreundlich zu sein, und dem Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug.

Ein hochsensibler Mensch fühlt sich möglicherweise überrumpelt, empfindlich und sogar überfordert. Die erhöhte Sensibilität führt dazu, dass neben der Anwesenheit des Gastes auch die eigene Stimmungslage und die unausgesprochenen Erwartungen des Besuchers stark wahrgenommen werden. Es kann zu einem Gefühl der Überstimulation kommen, das sich in Anspannung, schneller Erschöpfung oder dem Bedürfnis, sich sofort zurückzuziehen, äußert.

Die meisten Hochsensiblen wissen um dieses innere Dilemma und versuchen oft, ihre wahren Gefühle zu verbergen, was zusätzlich Energie kostet und zu noch mehr innerem Stress führen kann.

Die Bedeutung von Alleinzeit für HSP

Für Personen mit Hochsensibilität ist Alleinzeit eine Notwendigkeit für ihre Selbstfürsorge und ihr Wohlbefinden. Nach intensiven Phasen der Interaktion oder vielen Reizen brauchen viele Hochsensible Auszeiten, um ihre Akkus wieder aufzuladen und die gesammelten Reize zu verarbeiten. Diese Phasen der Ruhe helfen, die innere Balance zu finden und einer Reizüberflutung vorzubeugen.

Wenn diese geplante Alleinzeit durch einen Spontanbesuch abrupt unterbrochen wird, kann das das gesamte innere System der hochsensiblen Person aus dem Gleichgewicht bringen. Es ist, als würde man einen Marathon laufen und plötzlich gezwungen sein, sofort den nächsten anzugehen, ohne eine Pause. Das Verständnis für diese Notwendigkeit ist der Schlüssel, um die Bedürfnisse von Menschen mit Hochsensibilität besser zu erkennen und zu respektieren. Wie du deine Energie im Alltag schützt, liest du im Beitrag Hochsensibilität und Selbstfürsorge.

Sind HSP harmoniebedürftig? Die Rolle der Stimmung

Viele hochsensible Menschen brauchen eine stabile, ruhige Umgebung, um ihre Energiereserven zu schützen und nicht in einen Zustand der Reizüberflutung zu geraten. Ein plötzlicher Spontanbesuch kann das sorgfältig aufgebaute innere Gleichgewicht stören.

Die Stimmung spielt dabei eine große Rolle. Bereits der Gedanke an einen möglichen Spontanbesuch kann bei manchen HSP Stress auslösen, weil sie die mögliche Veränderung ihrer inneren und äußeren Befindlichkeit vorwegnehmen. Wenn dann wirklich jemand unangekündigt vor der Tür steht, ist die HSP gezwungen, ihre aktuelle Stimmung, ihre Pläne und oft auch ihren Energielevel abrupt anzupassen. Das erfordert eine immense innere Umstellung. Hochsensible sind dabei mehr als „empfindlich“: Ihr Nervensystem reagiert tatsächlich stärker auf äußere Reize und Veränderungen.

Frau klingelt an einer großen alten Holztür, Sinnbild für einen Spontanbesuch

Schilderung einer hochsensiblen Kundin

In meiner Arbeit mit HSP begegnen mir immer wieder ähnliche Geschichten, die die Herausforderung von Spontanbesuchen verdeutlichen.

Da war zum Beispiel Laura, eine junge Frau, die sich nach einem anstrengenden Arbeitstag bewusst eine Auszeit für ihre Selbstfürsorge nehmen wollte. Sie hatte sich auf ihr Sofa gekuschelt, ein Buch gelesen und die Ruhe genossen. Plötzlich klingelte es unaufhörlich an der Tür. Ihre beste Freundin stand davor, erwartete, hereingebeten zu werden und ein spontanes Gespräch zu führen. Laura berichtete mir später, dass sie sich sofort in einen inneren Konflikt stürzte: Sie wollte nicht unhöflich sein, spürte aber gleichzeitig eine enorme innere Anspannung und den Drang, sich zurückzuziehen. Diese Situation führte bei Laura zu einer Reizüberflutung, die sie noch Stunden später spürte.

Solche Beispiele zeigen mir immer wieder, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse hochsensibler Personen zu verstehen und zu respektieren, auch wenn man selbst keine Hochsensibilität erkennen kann. Es geht darum, achtsamer mit der Sensibilität von Menschen umzugehen.

Harmoniebedürftig und sensibel: Umgang mit hochsensiblen Menschen

Wenn du selbst Gäste empfängst oder jemanden besuchst und weißt, dass diese Person hochsensibel ist, dann lade ich dich ein, besonders aufmerksam zu sein. Wer sich in hochsensible Menschen hineinversetzen kann, versteht schnell, was ihnen guttut. Deine Spontanität darf bleiben, und ein kleines bisschen mehr Planung kann Großes bewirken.

Ein kurzer Anruf oder eine Nachricht im Voraus, selbst nur zehn Minuten vor dem Besuch, kann für eine HSP den entscheidenden Unterschied machen. Es gibt ihr die Möglichkeit, sich innerlich auf die Veränderung einzustellen, vielleicht noch schnell etwas zu Ende zu bringen oder sich auf die neue Stimmung einzustimmen. Das zeigt Wertschätzung und Verständnis für ihre Bedürfnisse, ohne dass die hochsensible Person ihre Sensibilität erklären oder rechtfertigen muss.

Ähnlich hilfreich ist es, Kritik unter vier Augen zu äußern, Pläne rechtzeitig abzusprechen und nach einem vollen Tag Ruhe zuzulassen, ohne das persönlich zu nehmen. Das gilt in Freundschaften genauso wie in romantischen Beziehungen. Was Paare dabei beachten können, beschreibe ich im Beitrag Hochsensibilität in der Partnerschaft.

Hochsensibilität als Stärke: Grenzen setzen und Bedürfnisse benennen

Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, als wärst du Spontanbesuchen und anderen Reizen hilflos ausgeliefert, hast du mehr Einfluss, als du vielleicht denkst. Der wichtigste Tipp ist, frühzeitig und klar Grenzen zu setzen. Das kann auf verschiedene Weisen geschehen:

  1. Du darfst die Tür geschlossen lassen, wenn du dich gerade überfordert fühlst.
  2. Du kannst direkt sagen: „Schön, dass du da bist, ich habe gerade nur zehn Minuten Zeit.“

Übe dich im liebevollen „Nein“-Sagen. Viele HSP haben Angst, unhöflich zu wirken, doch deine Selbstfürsorge ist wichtiger. Erinnere dich daran, dass deine Sensibilität deine Stärke ist und es völlig in Ordnung ist, deine Energie und deine Bedürfnisse zu schützen. Es hilft, einen Plan B zu haben: Was tust du, wenn du dich überrumpelt fühlst? Vielleicht ziehst du dich kurz zurück oder bittest den Besuch, sich einen Moment selbst zu beschäftigen, während du durchatmest.

Wie kannst du deine Bedürfnisse als hochsensibler Mensch kommunizieren?

Viele hochsensible Menschen tun sich schwer damit, auf ihre Bedürfnisse zu achten und sie auszusprechen, weil sie harmoniebedürftig sind und niemanden verletzen oder enttäuschen wollen. Doch das ständige Übergehen der eigenen Bedürfnisse führt oft zu innerem Stress und nervlicher Überreizung. Finde eine Formulierung, die sich für dich stimmig anfühlt. Hier sind einige Beispiele:

  1. „Ich liebe es, wenn du zu Besuch kommst. Bitte gib mir kurz Bescheid, bevor du klingelst, damit ich mich darauf einstellen kann.“
  2. „Gerade passt es mir leider nicht so gut, lass uns gerne einen anderen Termin vereinbaren.“
  3. „Ich brauche nach der Arbeit eine Stunde für mich, danach bin ich wieder ganz da.“

Übe diese Sätze im Kopf oder sogar laut, damit sie dir leichter über die Lippen gehen, wenn die Situation eintritt. Solche Gespräche können anfangs ungewohnt sein, sie legen aber den Grundstein für ein harmonisches Miteinander. Die meisten Menschen in deinem Umfeld werden es dir danken, wenn sie wissen, was dir guttut.

Mädchen mit Brille hält einen Telefonhörer und schaut skeptisch

Notiere dir deine Gedanken zu diesem Thema

Ich lade dich ein, dir einen Moment Zeit zu nehmen und deine eigenen Gedanken zu notieren. Welche der zehn Dinge kennst du von dir? Wie fühlst du dich bei dem Gedanken an unerwarteten Besuch? Welche inneren Reaktionen löst das bei dir aus? Wenn du dich selbst als hochsensibel erkennst, überlege, welche Situationen für dich besonders herausfordernd waren. Dieses Innehalten ist ein wichtiger Schritt, um das eigene Feingefühl besser zu verstehen und einen bewussteren Umgang damit zu entwickeln. Wenn du noch unsicher bist, ob du hochsensibel bist, hilft dir mein Test für Erwachsene.

Deine Bedürfnisse sind richtig so, wie sie sind. Je klarer du sie kennst, desto leichter wird dein Alltag.

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Ich begleite seit über zwanzig Jahren hochsensible Menschen und teile in diesem Kurs mein Wissen und ganz konkrete Strategien. Der Kurs ist online, flexibel und in kleinen Einheiten aufgebaut, sodass du in deinem eigenen Rhythmus lernst. Wenn du dir lieber persönliche Begleitung wünschst, findest du sie in meinem Coaching für Hochsensible.

Stressmanagement für Hochsensible: Übersicht über die Inhalte des Kurses Live Up

Häufige Fragen: Was hochsensible Menschen nicht mögen

Was mögen hochsensible Menschen nicht?

Viele hochsensible Menschen mögen keine Spontanbesuche und Überraschungen, keinen Lärm, kein grelles Licht und keine starken Gerüche, keine Menschenmengen, keinen Zeitdruck, keine Kritik vor anderen, keinen Streit, keinen oberflächlichen Smalltalk, keine Ungerechtigkeit und keine drastischen Bilder in den Medien. Der gemeinsame Grund ist die tiefere Verarbeitung von Reizen. Wie stark jemand darauf reagiert, ist individuell sehr verschieden.

Was stresst Hochsensible am meisten?

Am meisten stresst Hochsensible die Kombination aus vielen Reizen und wenig Kontrolle: ein lauter, voller Raum, in dem sie nicht gehen können, ein Termin, der plötzlich vorgezogen wird, oder ein Besuch, der unangekündigt vor der Tür steht. Fehlt dann noch die Zeit zum Erholen, summiert sich der Stress über den Tag.

Was sollten hochsensible Menschen meiden?

Hochsensible profitieren davon, Reize zu dosieren, statt sie ganz zu meiden. Hilfreich ist es, laute Orte zu ruhigen Zeiten zu besuchen, nach intensiven Terminen Auszeiten einzuplanen und Nachrichten bewusst auszuwählen. Wer dauerhaft zu viele Reize ohne Pause erlebt, gerät leicht in eine Überreizung.

Was brauchen hochsensible Menschen?

Hochsensible brauchen Zeit für Entscheidungen, regelmäßige Alleinzeit, Rückzugsorte ohne Reize, Menschen, die ihre Wahrnehmung ernst nehmen, und Aufgaben, bei denen Gründlichkeit zählt. Dazu gehört das Wissen um die eigene Hochsensibilität: Wer seine Bedürfnisse kennt, kann sie auch benennen. Viele HSPs erleben genau das als größte Erleichterung.

Wie geht man mit hochsensiblen Menschen um?

Mit Vorankündigung, Ruhe und Respekt. Besuche und Planänderungen kurz ankündigen, Kritik unter vier Augen äußern, Rückzug nach einem vollen Tag zulassen und die Wahrnehmung des hochsensiblen Menschen ernst nehmen, auch wenn man sie selbst nicht teilt. Sätze wie „Stell dich nicht so an“ sind dabei fehl am Platz.

Warum mögen Hochsensible keine Spontanbesuche?

Weil ein Spontanbesuch sie ohne Vorbereitung aus einer ruhigen Situation reißt. Die Stimmung im Raum ändert sich schlagartig, und das Nervensystem muss sofort viele neue Reize verarbeiten. Oft entsteht ein innerer Konflikt zwischen Gastfreundschaft und dem Bedürfnis nach Ruhe. Eine kurze Nachricht vorher nimmt den meisten Hochsensiblen diesen Stress.

Sind hochsensible Menschen harmoniebedürftig?

Viele ja. Menschen mit erhöhter Sensibilität haben oft eine gute Intuition. Sie nehmen Spannungen und schlechte Stimmung sehr früh und sehr intensiv wahr, und ein Streit wirkt bei ihnen lange nach. Harmoniebedürftig heißt dabei nicht konfliktscheu um jeden Preis: Viele Hochsensible sprechen Probleme sehr klar an, wenn der Rahmen ruhig und respektvoll ist.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Aron, E. N. (1996): The Highly Sensitive Person. Broadway Books, New York. Deutsch: Sind Sie hochsensibel?
  • Aron, E. N. und Aron, A. (1997): Sensory-processing sensitivity and its relation to introversion and emotionality. Journal of Personality and Social Psychology, 73, 345 bis 368.
  • Acevedo, B. P. und andere (2014): The highly sensitive brain: an fMRI study of sensory processing sensitivity and response to others‘ emotions. Brain and Behavior, 4, 580 bis 594.
  • Greven, C. U. und andere (2019): Sensory Processing Sensitivity in the context of Environmental Sensitivity: A critical review and development of research agenda. Neuroscience and Biobehavioral Reviews, 98, 287 bis 305.

Über die Autorin

Sandra Quedenbaum, Coach für Hochsensible

Sandra Quedenbaum arbeitet seit über zwanzig Jahren mit hochsensiblen Menschen und bildet seit fast 20 Jahren Coaches aus. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, ausgebildete Lehrtrainerin, selbst hochsensibel und begleitet ihre Kunden im Einzelcoaching, in Online-Kursen und in der Ausbildung zum HSP-Coach. Ihr Ansatz ist körperorientiert und traumasensibel.

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