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Einige meiner Kunden sind in Sorge, weil sich ihr hochsensibles Kind nicht wehrt. Sie sind beunruhigt, wenn es sich sein Spielzeug wegnehmen und von anderen Kindern immer wieder zurückdrängen lässt. Besonders bei hochsensiblen Jungen wird solch ein Verhalten sehr kritisch beäugt. Wie lernt ein Kind, das so feinfühlig ist, selbstbewusst für sich einzustehen? Und was tun, wenn dein Kind hochsensibel ist und sich scheinbar alles gefallen lässt?
In diesem Beitrag erfährst du, warum hochsensible Kinder in neuen Situationen oft zurückhaltend sind, warum gut gemeinte Ratschläge ihr Selbstbewusstsein eher schwächen und wie du dein hochsensibles Kind konkret stärken kannst, damit es seine Interessen selbstsicher vertritt.
Kurz gesagt: Wie du hochsensible Kinder stärkst
Hochsensibilität bei Kindern ist ein angeborenes Persönlichkeitsmerkmal, das die US-amerikanische Psychologin Elaine Aron beschrieben hat. Hochsensible Kinder nehmen Reize intensiver wahr, beobachten erst lange und handeln dann. Das ist keine Schwäche im Selbstbewusstsein. Ein hochsensibles Kind wird selbstbewusst, wenn Erwachsene seine Gefühle spiegeln, ihm Zeit zum Beobachten lassen, sichere Erlebnisräume schaffen, es in schwierigen Situationen aktiv unterstützen und seine Unsicherheit nicht vor anderen ansprechen. Sätze wie „Du musst dich auch mal wehren“ bewirken meist das Gegenteil. Was ein Kind stark macht, sind viele kleine positive Erfahrungen.
So werden hochsensible Kinder selbstbewusst: der Beitrag als Video
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Warum hochsensible Kinder sich scheinbar alles gefallen lassen
Den Begriff der Hochsensibilität hat Elaine Aron geprägt. Nach ihren Angaben sind etwa 15 bis 20 Prozent aller Kinder hochsensibel. Hochsensible Kinder nehmen ihre Umwelt intensiver wahr und reagieren stärker auf Reize: Laute Geräusche, helles Licht, Gerüche und Stimmungen kommen bei ihnen weniger gefiltert an. Durch die feinere Reizverarbeitung ihres Nervensystems trennen sie wichtige von unwichtigen Informationen weniger stark. Deshalb verarbeiten diese Kinder Reize und Informationen gründlicher, reagieren empfindlicher auf Reize aus ihrer Umwelt und sind schneller überfordert, wenn viele Reize auf einmal kommen. Seit den 1990er-Jahren wird Hochsensibilität wissenschaftlich untersucht, im Alltag ist manchmal auch von Hypersensibilität oder von hypersensiblen Kindern die Rede. Oft genügen schon kleinste Reize, etwa ein kratzendes Etikett, und wenn vieles zusammenkommt, droht eine Überstimulation. Eine Familienfeier mit vielen Gästen kann für sie besonders belastend sein. Aron beschreibt, dass hochsensible Kinder in einer neuen Situation erst innehalten und prüfen, bevor sie handeln. Auf einem Kindergeburtstag, im Morgenkreis der Kita oder auf dem Schulhof sieht das von außen aus wie Schüchternheit. Innen passiert gerade sehr viel: Das Kind sortiert, wer mit wem spielt, wie laut es ist, welche Regeln gelten und wo sein Platz sein könnte.
Hochsensible Kinder sind oft fantasievoll und zart besaitet. Viele haben außerdem ein feines Einfühlungsvermögen und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie merken, dass ein anderes Kind sich über die Wasserpumpe freut, und wollen ihm die Freude nicht nehmen. Sie spüren, dass Schubsen und Drängeln Streit bringt, und Streit ist für sie oft schwerer auszuhalten als der Verzicht auf das Spielzeug. Wer dieses Verhalten als „sich alles gefallen lassen“ deutet, übersieht die mitfühlende Art dahinter.
Unsicherheit gehört dabei nicht automatisch zur Hochsensibilität. In meiner Arbeit erlebe ich: Hochsensible Kinder, die mit ihrer Sensibilität angenommen werden, entwickeln oft ein stabiles Selbstbewusstsein. Das beginnt schon in der frühen Kindheit: Ein Kind, das sich mit seinen Gefühlen sicher aufgehoben fühlt, baut Resilienz auf. Unsicher werden vor allem die Kinder, die immer wieder hören, sie seien zu empfindlich, die für ihre Zurückhaltung kritisiert oder vor anderen bloßgestellt werden. Die Forschung stützt das. Sie zeigt, dass Kinder unterschiedlich stark auf ihre Umwelt reagieren. Hochsensible Kinder reagieren auf ihr Umfeld stärker als andere Kinder, in beide Richtungen: Unter belastenden Bedingungen leiden sie mehr, von einer warmen, verständnisvollen Begleitung profitieren sie mehr (Belsky und Pluess 2009, Slagt und andere 2018). Genau darin liegt die gute Nachricht für dich als Mutter oder Vater.
Hochsensible Kinder brauchen Verständnis: Tim auf dem Kindergeburtstag
Der hochsensible, vierjährige Tim in einer herausfordernden Umgebung
Der vierjährige Tim ist auf einen Geburtstag eingeladen. Seine Mutter begleitet ihn. Zu Beginn sitzt er fast 20 Minuten bei der Mutter und beobachtet die anderen Kinder. Alle anderen Kinder spielen schon begeistert mit einer Wasserpumpe, matschen im Sand, bauen kleine Staudämme und backen leckere Sandkuchen.
Tims Mutter versucht, ihr hochsensibles Kind zu motivieren
Die Mutter versucht immer wieder, Tim zu motivieren, doch mitzuspielen. „Mach doch mal mit, Tim, das macht bestimmt Spaß. Geh doch mal zur Wasserpumpe, dann kannst du mitspielen. Willst du nicht auch so tolle Kuchen backen?“
Tim sammelt seinen ganzen Mut zusammen
Nach seiner Beobachtungsphase nimmt Tim seinen Mut zusammen, geht zur Wasserpumpe und wartet, bis Jonas aufhört zu pumpen. Jonas hört auf und Tim will gerade anfangen, da schnappt Lena sich den Hebel und pumpt munter drauflos. Tim steht daneben und wartet weiter. Lena ist sehr begeistert von der Pumpe und lässt sich von Tim gar nicht irritieren. Tim wendet sich nun dem Staudamm zu. Er versucht, das Wasser mit Steinen zu blockieren. Da kommt Dennis, nimmt Tim die Steine weg und zeigt ihm, wie man das „richtig“ macht.
Tim sucht Trost bei der Mutter
Tim geht wieder zur Mutter. Diese hatte gerade eine Unterhaltung angefangen. „Nun spiel doch mal mit, sonst brauchen wir gar nicht erst auf einen Geburtstag zu gehen.“ Tim hat Tränen in den Augen und rechtfertigt sich. „Aber der Junge hat mir die Steine weggenommen.“ „Dann lass dir doch nicht immer alles gefallen. Du musst dich auch mal wehren.“
Kennst du diese Situationen?
Was denkst du, wie fühlt sich Tim in dieser Situation?
Unterstützt, selbstwirksam und stark? Wohl kaum!
Viele hochsensible Menschen kennen das aus ihrer eigenen Kindheit. Vielleicht hast du eine Idee davon oder du kennst es von dir, wie es sich anfühlt, wenn du mitspielen willst und dich nicht traust. Wenn du dasitzt, vielleicht noch denkst, was die anderen denken, wenn du nur so dasitzt. Und dann sagt dir jemand ständig: „Du musst doch nur, du könntest doch mal, ist doch nicht so schlimm, das geht doch ganz einfach.“ Aber für dich ist das überhaupt nicht einfach. Dann nimmst du allen Mut zusammen und probierst es, und es klappt nicht. Und dann gehst du in deiner ganzen Schmach zu jemandem, dem du dich anvertraust, und der motzt dich auch noch an, so nach dem Motto: „Selbst schuld.“
Warum Ratschläge ein hochsensibles Kind nicht stärken
Ratschläge sind selten hilfreich
Motivationssätze wie „Du musst dich auch mal wehren“ werden immer wieder gern genommen, sogar unter Erwachsenen. Claudia erzählt von ihrem Chef, der immer wieder stichelt, und ihr Mann sagt: „Du musst dich auch mal wehren.“ Ach was, das ist natürlich eine wichtige Information, die neue Welten auftut. Ein völlig neuer Aspekt! Wird Claudia jetzt voll motiviert losziehen und ihrem Chef Paroli bieten?
Unwahrscheinlich. Wenn das für sie so einfach wäre, hätte sie es mit Sicherheit bereits gemacht. Kennst du solche „Du musst doch nur“- oder „Ist doch ganz einfach“-Ratschläge? Wie häufig bist du danach gestärkt losgegangen und hast den Ratschlag in die Tat umgesetzt?
Ratschläge verstärken häufig ein negatives Selbstbild
Vielleicht hast du selbst auch schon so einen Ratschlag gegeben. Wie hoch war da die Erfolgsquote? Ist die Person losgezogen und hat sich nach deinem Rat verhalten? Wie oft bist du losgezogen und hast einen solchen Ratschlag in die Tat umgesetzt? Manche Leute sind dann auch noch beleidigt, du müsstest doch nur auf sie hören, und dir wird unterstellt, dass du ja gar nichts verändern willst.
Diese Art von Ratschlägen hat in Therapie und Coaching nichts zu suchen
Ich höre immer wieder, dass auch Kollegen aus meiner Zunft mit solchen Ratschlägen arbeiten. Im schlimmsten Fall wird man dann noch als Therapieverweigerer betitelt oder es wird einem unterstellt, dass man ja nichts ändern will. In meinen Augen ein grober Kunstfehler.
Wenn wir unser Verhalten einfach ändern könnten, würden wir es tun
Wenn es für uns so einfach wäre, hätten wir das Problem gar nicht. Und wenn das bei uns Erwachsenen so ist, wie schwer muss das dann erst einem Kind fallen.
In den meisten Fällen liegt der Schwerpunkt hier eher bei den Schlägen. So ein Rat schlägt einem mitten ins Gesicht. Er bohrt in der offenen Wunde herum, anstatt uns zu unterstützen.
Kommen wir zurück zum hochsensiblen Tim
Wie geht es ihm nach seinem Misserfolg? Wahrscheinlich ist er traurig, fühlt sich ohnmächtig, vielleicht macht er sich sogar schon selbst Vorwürfe und fühlt sich abgelehnt. Er weiß ganz genau, woran es ihm fehlt. Sein Selbstbild ist ganz schön in Mitleidenschaft gezogen.
Er sucht Trost bei der Mutter und was passiert? Sie bestätigt ihn in seinem negativen Selbstbild. Nicht nur seinen eigenen Erwartungen, auch den Erwartungen seiner Mutter kann er nicht genügen. Die Mutter verstärkt in diesem Moment Tims Unsicherheit. Eigentlich wollte sie ja das Gegenteil bewirken.
Hochsensibles Kind stärken: 8 Tipps für mehr Selbstbewusstsein
Was tun, wenn dein Kind hochsensibel ist und sich in Gruppen zurückzieht? In der Akutsituation, wenn das hochsensible Kind nach der Niederlage traurig ist, hilft es ihm, wenn wir seine Gefühle spiegeln. Auf längere Sicht helfen dir diese acht Tipps, hochsensible Kinder in ihrem Selbstbewusstsein zu fördern.
1. Zeige Verständnis und Mitgefühl
„Ich sehe, du bist ganz traurig, weil es nicht geklappt hat.“ Das HSK, so kürze ich ein hochsensibles Kind ab, bekommt so Worte für sein Erleben. Das unterstützt nicht nur die Sprachentwicklung, es bekommt auch noch Verständnis und fühlt sich unterstützt. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Hochsensible Kinder reagieren stark auf die Stimmung der Erwachsenen. Bleibst du ruhig, hilft das deinem Kind, sich selbst zu beruhigen.
2. Lass deinem Kind Zeit zum Beobachten
Tims 20 Minuten auf dem Schoß seiner Mutter waren keine verlorene Zeit. Hochsensible Kinder brauchen genug Zeit und Raum, um eine neue Situation zu erfassen, bevor sie mitmachen. Wenn du diese Phase zulässt, statt zu drängen, erlebt dein Kind, dass sein Tempo in Ordnung ist. Hilfreich ist es, früher zu einer Feier zu kommen, wenn noch wenige Kinder da sind, oder vorher zu erzählen, was dort passieren wird. Vor einer Familienfeier oder dem ersten Kita-Tag geben feste Rituale Sicherheit, etwa ein gemeinsamer Blick auf den Ablauf.
3. Schaffe sichere Erlebnisräume für dein hochsensibles Kind
Wenn dein hochsensibles Kind sich in solchen Spielsituationen noch nicht sicher fühlt, nutze den Heimvorteil. Lade andere Kinder ein. Die meisten HSK sind zu Hause wesentlich mutiger. So hat es die Möglichkeit, sich in solch einer Situation erfolgreich zu erleben, und kann damit ein hilfreiches Selbstbild entwickeln. Ein Kind zu Besuch ist für den Anfang oft besser als drei. Plane Rückzugsmöglichkeiten ein: Wenn dein Kind überreizt ist, darf es sich kurz zurückziehen, ohne dass das Treffen gleich vorbei ist.
4. Unterstütze dein Kind aktiv
Unterstütze dein Kind in der konkreten Situation, indem du den Spielverlauf einige Zeit lenkst. „Hey, ihr fleißigen Handwerker, jetzt ist Jonas an der Pumpe, danach kommt Lena, dann Tim und dann Martin. So kommt jeder mal dran.“ Die Kinder wissen dann, wie es läuft, und wechseln sich entsprechend ab. Wahrscheinlich brauchen sie dafür am Anfang noch etwas mehr Unterstützung von dir. „So, jetzt war Jonas an der Reihe und jetzt kommt Lena.“
5. Achte auf die Intimsphäre deines Kindes
Der Vorteil ist, dass Tims Unsicherheit nicht thematisiert wird. Der Fokus liegt auf dem gewünschten Resultat. Ein Satz wie „Tim traut sich nicht“ würde sein negatives Gefühl noch verstärken. Vielleicht kennst du das: Du wirst rot und jemand spricht dich darauf an. Macht es die Situation für dich leichter? Wohl kaum. Das gleiche Prinzip wirkt hier. Spiegle die Gefühle deines Kindes, wenn ihr unter euch seid, und sprich sein Verhalten möglichst nicht vor anderen an.
6. Sei ein Vorbild, das dein Kind nachahmen kann
Das hochsensible Kind braucht ein paar positive Erfahrungen in einer für es schwierigen Situation, damit es sicherer werden kann. Mäkeln und Motzen bewirken das Gegenteil. Zeige deinem HSK Beispiele, wie es eine Situation meistern kann. Kinder lernen durch Nachahmung. Wichtig ist, dabei zu beachten, dass dein Beispiel auch von deinem Kind umgesetzt werden kann, sonst lernt das Kind: „Mama kann das, aber ich nicht!“ Und denke dran: Ziehe dich raus, sobald es etwas selbstständig kann.
7. Übt Grenzen im Spiel
Selbstbewusst für sich einstehen lässt sich üben, am besten dort, wo nichts auf dem Spiel steht. Spielt mit Kuscheltieren oder Handpuppen eine Szene wie die an der Wasserpumpe nach. Dein Kind darf dabei ausprobieren, was es sagen könnte: „Ich bin jetzt dran.“ „Stopp, das sind meine Steine.“ „Ich will das allein machen.“ Kurze, klare Sätze, die dein Kind schon oft gesagt hat, kommen ihm in der echten Situation leichter über die Lippen. Lobe dabei den Versuch, nicht erst das Ergebnis.
8. Benenne die Stärken deines Kindes
Hochsensible Kinder hören oft, was sie zu viel oder zu wenig haben: zu empfindlich, zu leise, zu langsam. Umso wichtiger ist es, dass sie auch hören, was sie gut können. Sag deinem Kind konkret, was du siehst: „Du hast genau gemerkt, dass Lena traurig war.“ „Du hast lange überlegt und dann eine richtig gute Idee gehabt.“ So entsteht ein Selbstwert, der auf den eigenen Stärken ruht. Wie du deinem Kind seine Hochsensibilität kindgerecht erklärst und was im Umgang mit hochsensiblen Kindern im Alltag hilft, beschreibe ich im Beitrag Bedürfnisse hochsensibler Kinder.
Hochsensibilität bei Kindern: was in welchem Alter stärkt
Wie ausgeprägt die Zurückhaltung ist, unterscheidet sich von Kind zu Kind. Je nach Alter zeigt sie sich anders, und entsprechend unterschiedlich kannst du dein Kind stärken. Die Übersicht ist ein Anhaltspunkt, jedes hochsensible Kind ist anders.
| Alter | Typische Situation | Was dein Kind stärkt |
|---|---|---|
| Kleinkind | Klammert auf dem Spielplatz, weint bei fremden Kindern | Nähe geben, Tempo des Kindes akzeptieren, kurze Besuche |
| Kindergarten | Beobachtet lange, lässt sich Spielzeug wegnehmen | Spiel lenken, Heimvorteil nutzen, Sätze im Spiel üben |
| Grundschule | Meldet sich nicht, ist nach dem Schulalltag erschöpft | Ruhepausen, Stärken benennen, Absprache mit Lehrern |
| Jugendliche | Zieht sich zurück, zweifelt an sich | Zuhören ohne Ratschläge, Hochsensibilität erklären, Freiraum lassen |
Sprich auch mit der Erzieherin oder dem Erzieher in der Kita oder mit der Lehrkraft. Eine pädagogische Fachkraft, die weiß, dass dein Kind erst beobachtet und dann mitmacht, kann ihm im Morgenkreis Zeit lassen, statt es aufzurufen. Ob dein Kind hochsensibel ist, kannst du mit meiner Ankreuzliste für hochsensible Kinder durchgehen.
Wann ein hochsensibles Kind zusätzliche Unterstützung braucht
Zurückhaltung allein ist kein Grund zur Sorge, sie gehört bei vielen Kindern zur normalen Kindesentwicklung. Aufmerksam solltest du werden, wenn dein Kind über Wochen kaum noch spielt, nicht mehr in die Kita oder Schule gehen möchte, häufig über Bauchschmerzen klagt, aggressives Verhalten zeigt oder sich immer stärker zurückzieht. Dann ist der erste Weg der zum Kinderarzt. Er kann einschätzen, ob eine Abklärung bei einem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sinnvoll ist. Hochsensibilität selbst ist keine Krankheit und muss nicht behandelt werden. Was dein Kind braucht, ist ein Umfeld, das es versteht.
Oft hilft es schon, wenn die Eltern Unterstützung bekommen. Im Coaching für Eltern hochsensibler Kinder schauen wir gemeinsam auf dein Kind, auf dich und auf das, was ihr beide braucht.
Jeder braucht Verständnis. Auch du!
Der Alltag mit einem hochsensiblen Kind fordert auch dich. Gerade hochsensible Eltern wollen oft alles richtig machen. Deshalb auch hier ein ehrliches Wort: Trotz allem Fachwissen erlebe ich mich immer wieder in Situationen, in denen ich gegen besseres Wissen handle. Aber jedes Mal, wenn es gelingt, ist es ein Pluspunkt für das Selbstbild meiner Tochter. Gönne dir Ehrenrunden, wenn es mal nicht so klappt. Auch du bist nur ein Mensch und kein Mensch ist perfekt.
Das hochsensible Kind verstehen: mein Onlinekurs für Eltern hochsensibler Kinder
Wenn du das Thema gründlich verstehen willst, führt dich mein Onlinekurs Das hochsensible Kind verstehen in 20 Modulen durch Wahrnehmung, Gefühle, Überforderung, Kita, Schule und Familie, in deinem eigenen Tempo. Zum Hören gibt es die Folge Hochsensible Kinder stärkend begleiten in meinem Podcast.
Häufige Fragen: hochsensible Kinder stärken
Wie kann ich mein hochsensibles Kind stärken?
Indem du seine Gefühle ernst nimmst und in Worte fasst, ihm Zeit zum Beobachten lässt, sichere Erlebnisräume schaffst und es in schwierigen Situationen aktiv begleitest, statt es anzutreiben. Stärkend wirken außerdem konkret benannte Stärken, Übungen im Spiel und ein Vorbild, das dein Kind nachahmen kann.
Was tun, wenn sich mein hochsensibles Kind nicht wehrt?
Bleib ruhig und hilf in der Situation, zum Beispiel indem du die Reihenfolge an der Schaukel festlegst. Sprich die Unsicherheit deines Kindes nicht vor anderen an. Zu Hause kannst du mit Kuscheltieren üben, was es sagen könnte. Sätze wie „Du musst dich auch mal wehren“ helfen nicht, weil sie das Kind mit seiner Unsicherheit allein lassen.
Sind hochsensible Kinder schüchtern?
Nicht unbedingt. Hochsensible Kinder verarbeiten Eindrücke gründlich und beobachten in neuen Situationen oft lange, bevor sie mitmachen. Das wirkt schüchtern. Viele von ihnen sind in vertrauter Umgebung lebhaft und gesprächig. Manche hochsensiblen Kinder sind eher introvertiert, es gibt aber auch extrovertierte hochsensible Kinder.
Wie fördere ich hochsensible Kinder?
Hochsensible Kinder fördern heißt vor allem, gute Bedingungen zu schaffen, denn von ihnen profitieren sie besonders stark. Fördernd sind ein verlässlicher Tagesablauf, Pausen nach reizreichen Erlebnissen, Erwachsene, die Gefühle ernst nehmen, und Aufgaben, bei denen ihre Gründlichkeit, ihr Einfühlungsvermögen und ihre Kreativität gefragt sind.
Welche Hobbys eignen sich für hochsensible Kinder?
Das hängt vom Kind ab. Viele hochsensible Kinder mögen Hobbys in kleinen Gruppen oder allein, zum Beispiel Malen, Musik, Lesen, Reiten, Schwimmen oder Klettern. Große, laute Mannschaftssportarten mit viel Druck überfordern manche, andere lieben sie. Eltern können ihre Kinder unterstützen, indem sie in Ruhe ausprobieren lassen und ein Aufhören erlauben.
Braucht ein hochsensibles Kind eine Therapie?
Hochsensibilität ist keine Krankheit und braucht keine Therapie. Wenn ein Kind aber über längere Zeit leidet, sich stark zurückzieht, nicht mehr in Kita oder Schule gehen möchte oder körperliche Beschwerden hat, gehört das in die Hände des Kinderarztes, der bei Bedarf an einen Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten verweist.
Wie erkenne ich, ob mein Kind hochsensibel ist?
Sensible Kinder sind nicht automatisch hochsensibel, ein Kind kann sensibel sein, ohne dass mehrere Merkmale zusammenkommen. Hochsensibilität erkennen kannst du an mehreren Merkmalen, die zusammenkommen. Typisch sind eine intensive Wahrnehmung von Geräuschen, Licht, Gerüchen und Stimmungen, eine gründliche Verarbeitung von Eindrücken, starke Gefühle und schnelle Überreizung nach vollen Tagen. Eine Orientierung gibt dir meine Ankreuzliste für hochsensible Kinder.
Quellen und weiterführende Literatur
- Aron, E. N. (2002): The Highly Sensitive Child. Broadway Books, New York. Deutsch: Das hochsensible Kind.
- Belsky, J. und Pluess, M. (2009): Beyond diathesis stress: Differential susceptibility to environmental influences. Psychological Bulletin, 135, 885 bis 908.
- Pluess, M. und andere (2018): Environmental sensitivity in children: Development of the Highly Sensitive Child Scale and identification of sensitivity groups. Developmental Psychology, 54, 51 bis 70.
- Slagt, M. und andere (2018): Sensory processing sensitivity as a marker of differential susceptibility to parenting. Developmental Psychology, 54, 543 bis 558.
Über die Autorin

Sandra Quedenbaum arbeitet seit über zwanzig Jahren mit hochsensiblen Menschen und bildet seit fast 20 Jahren Coaches aus. Sie ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, ausgebildete Lehrtrainerin, selbst hochsensibel und begleitet ihre Kunden im Einzelcoaching, in Online-Kursen und in der Ausbildung zum HSP-Coach. Ihr Ansatz ist körperorientiert und traumasensibel.

